Lyotropie

Unter Lyotropie (von lyo- „auflösen“ und -trop „verändern“) versteht man, dass die Löslichkeit eines Stoffes, der in einem Lösungsmittel schwer löslich ist, durch die Zugabe einer dritten Substanz erhöht wird. Diese dritte Substanz wird als „lyotropes Mittel“ bezeichnet.

Der Begriff bezeichnet auch das Phänomen, bei dem bestimmte Substanzen in Lösungsmitteln, wie Wasser, unterschiedliche Phasen (lyotrope Phasen) bilden, abhängig von der Konzentration der gelösten Substanz und der Temperatur. Diese Phasen können verschiedene geordnete Strukturen aufweisen, wie zum Beispiel Mizellen, flüssigkristalline Phasen oder geordnete Gelphasen. Die Substanzen, die solche Phasen bilden, sind typischerweise amphiphile Moleküle, wie Tenside, Lipide oder Blockcopolymere. Amphiphile Moleküle besitzen sowohl hydrophile (wasserliebende) als auch hydrophobe (wasserabweisende) Bereiche. In Wasser können sie sich so anordnen, dass die hydrophoben Bereiche vom Wasser abgeschirmt werden, was zur Bildung von verschiedenen Strukturen führt.

Das abgeleitetes Adjektiv „lyotrop“ drückt eine irgendwie geartete Ausrichtung von Teilchen in einem Lösungsmittel aus. Unter lyotropen Systemen versteht man Strukturen, die bei Anwesenheit von Lösungsmitteln Flüssigkristalle sind und deren Klärpunkt durch Verdünnen erreicht wird. Die Lyotropie kann in diesem Fall als Packungseffekt verstanden werden.

  1. INTERNATIONAL ORGANIZATION FOR STANDARDIZATION: ISO 862:1984, Surface active agents - Vocabulary First edition - 1984-12-15, abgerufen am 28. Juli 2024.
  2. Eintrag zu Lyotrop. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. Juli 2024.
  3. Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung: Vorlesungsskript Polymeranalytik, abgerufen am 28. Juli 2024.