Marie-Armand Pascal de Castera-Macaya d’Avezac

Marie-Armand Pascal de Castera-Macaya d’Avezac (* 18. April 1800 in Tarbes; † 14. Januar 1875 in Paris) war ein französischer Geograph und Philologe, sowie Gründungsmitglied der Société ethnologique de Paris. Er profilierte sich insbesondere durch seine Forschungen zu Afrika sowie zu den europäischen Entdeckungsfahrten, zur Sklaverei und zum atlantischen Sklavenhandel afrikanischen Ursprungs. Als Archivar im französischen Marineministerium hinterließ er ein umfangreiches wissenschaftliches Werk zur europäischen Expansion sowie zur Geschichte Afrikas und Südamerikas.

D’Avezac wuchs in Bagnères-de-Bigorre auf; er entstammte einer Familie mit Verbindungen zur französischen Kolonie Saint-Domingue; sein Vater war Magistrat in Tarbes gewesen. Bereits in jungen Jahren machte er durch eine umfangreiche Abhandlung über seine Heimatregion Bigorre auf sich aufmerksam. Seine berufliche Laufbahn begann er als Sekretär und Archivar seiner Heimatstadt. Von 1823 bis 1827 war er in Paris in der Intendance de la Maison militaire du roi tätig. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft trat er in den Dienst des französischen Marineministeriums ein, wo er eine lange Verwaltungslaufbahn als Konservator der Archive absolvierte. 1862 schied er aus dem Staatsdienst aus; zuletzt bekleidete er das Amt des Direktors des Zweiten Büros im Kabinett des Ministers.

Als offizieller Archivar der Kolonialverwaltung verband d’Avezac seine Arbeit mit einem intensiven Engagement in der Société de géographie, deren Generalsekretär er von 1833 bis 1835 war. Dreizehnmal zum Vizepräsidenten und sechsmal zum Präsidenten der Commission centrale gewählt, prägte er die Gesellschaft über Jahrzehnte maßgeblich. 1866 wurde er in die Académie des inscriptions et belles-lettres aufgenommen. 1839 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion und 1861 zum Offizier ernannt; mehr als vierzig gelehrte Gesellschaften im In- und Ausland nahmen ihn als Ehrenmitglied auf. Er beherrschte neben Griechisch und Latein Spanisch und Portugiesisch auf muttersprachlichem Niveau; darüber hinaus verfügte er über Kenntnisse des Englischen, Deutschen, Niederländischen, Italienischen und Arabischen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten galten vor allem der physischen und historischen Geographie Afrikas sowie der Geschichte der europäischen Entdeckungen des Kontinents. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit der vergleichenden Geographie der römischen Welt und mit der Entwicklung kartographischer Techniken. D’Avezac vertrat er die These einer prähistorischen Existenz von Atlantis. Er regte mehrere Forschungsreisen in das Innere Afrikas an, unter anderem Expeditionen der Brüder Lander sowie des Forschers Félix Dranton, der ihn über die Trarza und Brakna am Senegal unterrichtete.

1845 gründete er gemeinsam mit seinem Freund Gustave d’Eichthal die Société ethnologique de Paris und wurde zugleich deren Vizepräsident. Dort widmete er sich den Merkmalen der „Rassen“ und betrachtete die Sprachen als zentrales Kriterium ihrer Abgrenzung, womit er entscheidend zur Loslösung der jungen Ethnologie von ihrer Mutterwissenschaft Geographie beitrug. In weiteren Arbeiten befasste er sich mit den Berbersprache, den Almoravidenbewegungen und den mahdistischen Erhebungen im Senegalgebiet. D’Avezac brachte auch die Vorstellung von der kulturellen Einheit und vom messianischen Charakter der Fulbe in Umlauf, eine Idee, die später von Gustave d’Eichthal eine Weiterentwicklung erfuhr. D’Avezac stand den Saint-Simonisten nahe; sein Schwiegersohn war der ebenfalls saint-simonistisch geprägte Orientalist Charles Defrémery, Inhaber des Lehrstuhls für arabische Sprache und Literatur an der École des langues orientales vivantes.