Massaker von Granada

Das Massaker von Granada war ein Pogrom an Juden, das 1066 in Granada zur Zeit der Herrschaft der Ziriden im islamischen Herrschaftsgebiet von al-Andalus stattfand. Es gilt als erstes Pogrom auf europäischem Boden. Am 30. Dezember stürmte eine muslimische Menschenmenge den Königspalast, kreuzigte den jüdischen Wesir Joseph ibn Naghrela, Sohn von Schmuel ha-Nagid, und massakrierte den Großteil der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Spätere muslimische Chronisten setzten die Opferzahlen in die Tausende, nach manchen Quellen sollen mehr als 1.500 jüdische Familien, rund 4.000 Personen, ermordet worden sein. Nach heutigem Forschungsstand könnten die in den Quellen genannten Zahlen überhöht sein.

  1. Dass es sich um das erste Pogrom auf europäischem Boden handelt, hält Manfred Sing, assoziierter Forscher am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, für fragwürdig, „weil das Geschehen so in eine Kontinuitätslinie eingeordnet wird, in die es nicht gehört“: Manfred Sing: Islam und Antisemitismus. In: Christian Demand, Ekkehard Knörer (Hrsg.): Merkur. Band 900. Klett-Cotta, Berlin 2024, S. 99–108 (78. Jahrgang, März 2024).
  2. Wilhelm Hoenerbach (Hrsg.): Islamische Geschichte Spaniens: Übersetzung der Aʻmāl al-a'lām und ergänzender Texte. Artemis, Zürich/Stuttgart 1970, S. 422.
  3. Richard Gottheil, Meyer Kayserling: Granada. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Band 6, Funk and Wagnalls, New York 1901–1906, S. 80.
  4. Brian A. Catlos: Accursed, Superior Men: Ethno-Religious Minorities and Politics in the Medieval Mediterranean. In: Comparative Studies in Society and History. 56, 2014, S. 844–869, hier: S. 850 f. (Fußnote 16); JSTOR:43908317.