Megastruktur

Eine Megastruktur (von englisch Megastructure) ist ein sehr großes künstliches Objekt, wobei die Grenzen, wie groß genau, nicht final definiert sind. Der Begriff wird gelegentlich auch für besonders große und hohe Gebäude oder Konstruktionen verwendet. Einige Quellen definieren eine Megastruktur als ein riesiges selbsttragendes künstliches Konstrukt. Die Produkte des Megascale Engineering (deutsch Megaskaligen Ingenieurswesen) oder Astroengineering sind Megastrukturen.

Die meisten Megastruktur-Entwürfe könnten mit dem heutigen Stand der industriellen Technik nicht gebaut werden. Das macht ihre Entwürfe zu Beispielen für Erkundungstechnik. Diejenigen, die gebaut werden könnten, qualifizieren sich leicht als Megaprojekte.

Megastrukturen sind auch ein architektonisches Konzept, das in den 1960er Jahren populär wurde und bei dem eine Stadt in einem einzigen Gebäude oder in einer relativ kleinen Anzahl von Gebäuden, die miteinander verbunden sind, untergebracht werden kann. Solche Arkologie-Konzepte sind in der Science-Fiction beliebt. Megastrukturen spielen oft eine Rolle in der Handlung oder am Schauplatz von Science-Fiction-Filmen und -Büchern, wie z. B. Rendezvous mit Rama von Arthur C. Clarke.

Der prototypische Entwurf einer Megastruktur war der „Plan für Tokio: 1960“ von Kenzo Tange. Eine riesige Struktur aus aufgeständerten Highways sollte die Bucht von Tokio überspannen. Daran sollten kammartig Wohngebiete andocken, in denen riesige Wohnhügel auf Plattformen über dem Wasser schweben sollten. In allen Teilen dieser neuen Stadt sollten die Funktionen auf verschiedenen Ebenen übereinandergeschichtet werden und so eine räumliche Architektur entstehen lassen. Die großen Struktern sollten längere Lebenszyklen haben, als die kleineren Wohnbauten.

Dieses Konzept aufgreifend definierte Ralph Wilcoxen 1968 eine Megastruktur als ein strukturelles Gerüst, in das später Räume, Häuser oder andere kleine Gebäude installiert, deinstalliert und ersetzt werden können und das „unbegrenzt“ erweiterbar ist. Diese Art von Gerüst erlaubt es der Struktur, sich an die individuellen Wünsche ihrer Bewohner anzupassen, auch wenn sich diese Wünsche mit der Zeit ändern.

Viele Architekten haben in den 1960er Jahren solche Megastrukturen entworfen. Zu den bekannteren Architekten und Architektengruppen gehören die Metabolisten-Bewegung, Archigram, Cedric Price, Frei Otto, Constant Nieuwenhuys, Yona Friedman, Buckminster Fuller und Eckhard Schulze-Fielitz.

  1. Megastructure.org - where? Abgerufen am 25. November 2023 (englisch).
  2. E. C. Relph: The modern urban landscape. In: Baltimore: Johns Hopkins University Press. 1987, abgerufen am 6. Januar 2021 (englisch): „Megastruktur definieren“
  3. Kenzo Tange: «A Plan for Tokyo, 1960. Towards a Structural Reorganization». In: The Japan Architect. 1961, S. 7–38.
  4. Sonja Hnilica: Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne. Großstrukturen der 1960er und 1970er Jahre. Park Books, Zürich 2018, ISBN 978-3-03860-093-0, S. 13 f., 177.
  5. Ralph Wilcoxen: A short bibliography on megastructures, Monticello, Ill.: Council of Planning Librarians, 1968. OCLC 3898174
  6. Mega structure. In: Gale Group. 1. März 1997, abgerufen am 12. Januar 2021 (englisch).
  7. Rayner Banham: Megastructure Reloaded. 5. Januar 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 13. Januar 2021 (deutsch).