Meroitische Sprache

Meroitisch
Zeitraum bis 400 n. Chr.

Ehemals gesprochen in

Kusch
Linguistische
Klassifikation

Nilosaharanisch? Afroasiatisch?

  • Meroitische Sprache
Sprachcodes
ISO 639-1
ISO 639-2
ISO 639-3 xmr

Die meroitische Sprache ist die Sprache des meroitischen Staates, der zwischen 1000 v. Chr. und 750 v. Chr. in Nubien gegründet wurde und den altägyptischen Namen für Nubien, Kusch, übernahm. Einige Jahrhunderte nach der Gründung des Staates ist die meroitische Sprache schriftlich belegt, die früheren Inschriften (ab ca. 800 v. Chr.) sind alle in ägyptischen Hieroglyphen und ägyptischer Sprache verfasst worden. Meroitische Namen, Wörter und Phrasen sind aber schon seit dem Neuen Reich belegt.

Der Regierungssitz des kuschitischen Reiches lag ursprünglich in der Stadt Napata beim heutigen Karima. Um 300 v. Chr. wurde die Hauptstadt nach Meroe nördlich von Khartum verlegt. In dieser Zeit wurde die kulturelle Anlehnung an Ägypten mehr und mehr aufgegeben, was sich auch in der Entwicklung einer eigenen Schrift und dem Gebrauch der meroitischen Sprache in offiziellen Texten äußerte.

Die meroitische Sprache ist bisher nicht übersetzt. Bisher ist es nur möglich, kurze formelhafte Texte der Opferformeln zu übersetzen. Es gibt einige Lehnwörter aus dem Ägyptischen. Oft wird vermutet, dass das Meroitische zum Nilosaharanischen gehört. Claude Rilly nennt für 39 meroitische Wörter nilosaharanische Entsprechungen und zeigte, dass es besonders deutliche Beziehungen in Lexikon und Morphologie zum nördlichen Ostsudanischen gibt; damit steht das Meroitische wohl den nubischen Sprachen nahe.

Spätestens um 300 n. Chr. brach das Reich von Kusch zusammen, entweder aufgrund einer Umweltkatastrophe oder einer Niederlage gegen das Aksumitische Reich. Die Schrift und Sprache waren noch eine kurze Zeit in Gebrauch, wurden dann aber, zumindest im Schriftverkehr, von anderen Sprachen abgelöst. Die letzte meroitische Inschrift stammt von dem Lokalkönig Charamadoye, der kurz nach 400 n. Chr. regierte.

  1. 1 2 Claude Rilly: Le méroïtique et sa famille linguistique. Louvain 2010.