Minnerede

Die Minnerede ist eine Form der spätmittelalterlichen Reimrede. Im Gegensatz zu den kürzeren Minneliedern in Kanzonenform wurde sie nicht gesungen, sondern gesprochen vorgetragen. Dieser Gattung ordnet man in der germanistischen Forschung etwa 600 Texte zu. Die meisten haben nur wenige hundert Verse; zu den Minnereden werden aber auch umfangreiche Texte (Großformen) gezählt, wie 'Die Minneburg', 'Die Minnelehre' des Johann von Konstanz, 'Die Jagd' von Hadamar von Laber sowie die 'Mörin' von Hermann von Sachsenheim. Vorherrschend ist der Reimpaarvers, daneben gibt es auch einige strophische Minnereden. Viele Minnereden sind in Ich-Form gehaltene Reflexionen über die höfische Liebe (Minne) oder Erzählungen von allegorischen Begebenheiten und Träumen, in deren Zentrum das unerfüllte Verlangen des Minnenden steht.

Das älteste überlieferte Zeugnis ist Hartmanns von Aue Büchlein (auch Klage oder Klagebüchlein genannt, um 1200). Die Blütephase der Minnereden – sowohl was Produktion wie Rezeption anbelangt – liegt im 14. und 15. Jahrhundert. Die meisten Texte sind anonym überliefert, daneben treten Autoren wie Meister Altswert, Heinrich der Teichner, Peter Suchenwirt oder Hans Folz. Nur wenige Minnereden gelangen im 15. und 16. Jahrhundert in den Druck.

Verschiedene Typen der Minnerede werden unterschieden, z. B. der Typ Lob der Geliebten, zu der die im 15. Jahrhundert verfassten Minnereden Dis ist die schoenheit der frowen, welche vor allem einen schönen Frauenkörper vom Kopf und bis zu den Füßen schildert, sowie Schönheitspreis gehören. Zu den derb-obszönen Spielarten der Gattung zählt die Graserin.

  1. Jacob Klingner, Ludger Lieb: Handbuch Minnereden. de Gruyter, Berlin / Boston 2013, ISBN 978-3-11-018332-0.
  2. Jacob Klingner: Minnereden im Druck, Studien zur Gattungsgeschichte im Zeitalter des Medienwechsels. Erisch Schmidt Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-503-12242-4, S. 448.
  3. Alfred Karnein: ‚Die Schönheit der Geliebten‘. und ‚Schönheitspreis‘. In: Verfasserlexikon. Band VIII, Sp. 826 f.