Modelleisenbahngleissysteme der Spur H0

Bei der Modelleisenbahn in der Spur H0 können primär drei elektrische Gleissysteme unterschieden werden: Das Zweischienen-Zweileiter-Gleissystem, das Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem und das Dreischienen-Dreileiter-Gleissystem. Außerdem gibt es für Uhrwerklokomotiven oder mit Batterie betriebene Lokomotiven Zweischienen-Gleissysteme ohne elektrische Isolierung der Schienen oder solche mit Schienen aus Kunststoff.

Modelleisenbahngleissysteme für die Spur H0 aber auch für die Spur 00 mit 16,5 mm Spurweite, beziehungsweise für dessen ursprüngliche Spurweite von 16,0 mm, entsprechend der Hälfte der Spur 0 mit einer Spurweite von 32 mm, und wurden erstmals auf das Weihnachtsgeschäft 1922 im Auftrag von Bassett-Lowke von der in Nürnberg ansässigen Firma Bing produziert. Die Nürnberger Firma Bing stellte zunächst eine Tischeisenbahn mit Uhrwerkantrieb mit einem aus Blech gepressten Böschungskörper-Gleissystem mit einer Spurweite von 16,0 mm her, entsprechend einem Zweischienen-Gleissysteme ohne elektrische Isolierung. Zwei Jahre später folgte eine Variante ergänzt mit einer in der Gleismitte isoliert angebrachten zusätzlichen Schiene, entsprechend dem Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem, für den elektrischen Betrieb.

Zu Zeiten der Bing-Tischeisenbahn stellte A. R. Walkley 1926 in Großbritannien eine kleine Modelleisenbahn-Anlage her, vergleichbar einem heutigen Betriebsdiorama, die sämtliche Merkmale der heutigen Spur H0 aufwies: Modellspurweite von 16,5 mm, Maßstab 1:87 (3,5 mm scale), Zweischienen-Zweileiter-Gleissystem, Gleichstrombetrieb, aufschneidbare Weichen, automatische Kupplungen.

1935 folgte Trix Express mit einem Böschungskörper aus Bakelit und drei elektrisch getrennten Schienen, entsprechend dem Dreischienen-Dreileiter-Gleissystem noch mit einer Spurweite von 16,0 mm.

Auch 1935 folgte Märklin mit einem aus Blech gepressten Böschungskörper-Gleissystem mit einer in der Gleismitte isoliert angebrachten zusätzlichen Schiene, von Anfang an mit einer Spurweite von 16,5 mm, entsprechend dem Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem.

Bereits 1947 entwickelte die Wiener Firma Kleinbahn ein Zweileiter-System mit Gleichstrom und Kunststoffschwellen in Spurweite H0, es folgten mehrere richtungsweisende Innovationen.

Wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg 1953 wurden bei Trix Express ein Gleissystem mit Schwellenbänder aus schwarzer Isolierpappe und einer Modellspurweite von 16,5 mm eingeführt.

Sehr früh verwendeten Modellbauer Gleisprofile und entsprechende Schwellen für den Gleisselbstbau, um dem Vorbild möglichst nahe zu kommen. Ab Mitte der 1960er Jahre erschienen Schwellenbänder aus Kunststoffen. Zeitgleich wurden die ersten flexiblen Gleise angeboten, die unabhängig von den Gleisgeometrien der Hersteller in beliebiger Form verlegt werden können.

Heute konkurrieren miteinander primär zwei Gleissysteme: das eher vorbildnähere Zweischienen-Zweileiter-Gleissystem (umgangssprachlich als Zweileiter-Gleichstromsystem bezeichnet) mit dem wohl betriebssicheren Dreischienen-Zweileiter-Gleissystem (umgangssprachlich als Dreileiter-Wechselstromsystem, Mittelleiter-Wechselstrom-Gleissystem, Mittelleiter-Gleissystem oder einfach Märklin System bezeichnet). Dabei halten sich in den deutschsprachigen Länder die beiden Gleissysteme in etwa die Waage.

  1. Märklin my world Kunststoffgleis in maerklin.de, abgerufen am 10. Januar 2024.
  2. Die Stromsysteme der Modellbahn, in blog.modellbahnshop-lippe.com, abgerufen am 9. Januar 2023.
  3. Das kleine Modelleisenbahn 1x1, Stromsysteme in www.suter-meggen.ch, abgerufen am 9. Januar 2023.