Monophysitismus
Der Monophysitismus (von altgriechisch μόνος monos, deutsch ‚einzig‘ und φύσις physis ‚Natur‘), auch Eutychianismus, nach Eutyches, bezeichnet die christologische Lehre, dass Jesus Christus nach der Vereinigung des Göttlichen und Menschlichen in der Inkarnation nur eine einzige, göttliche Natur habe. Dies steht im Gegensatz zur Zweinaturenlehre, nach der göttliche und menschliche Natur Christi „unvermischt und ungetrennt“ nebeneinander stehen. Auf dem Konzil von Chalcedon 451 wurde die Zweinaturenlehre angenommen und der Monophysitismus verworfen.
Abzugrenzen ist der Begriff vom Miaphysitismus (von μία φύσις eine Natur), die der mia physis-Formulierung des Kyrill von Alexandria folgen und in einigen orientalisch-orthodoxen Kirchen vertreten wird. Diese Selbstbezeichnung setzt sich seit den 60er Jahren im Zuge der ökumenischen Gespräche auch in der Forschung durch. Die Benennung als „Monophysiten“, erscheint in den Quellen ohnehin erst im 7. Jahrhundert (und zudem meist in verunglimpfender Absicht). Die griechische Wurzel mia bedeutet eins. Dieses Wort betont eher die Einheit als die Einzahl und reflektiert besser die Position, dass in Christus das Göttliche und das Menschliche eine Natur bilden, vereint „ohne Vermischung, ohne Trennung, ohne Durcheinander und ohne Wechsel“, wie eine seit der Spätantike übliche theologische Formel lautet. In ihrer eigenen Wahrnehmung lehnen die Mono- bzw. Miaphysiten die Zweinaturenlehre also nicht prinzipiell ab und gehen durchaus davon aus, Jesus Christus sei Gott und Mensch gewesen – sie nehmen dabei allerdings an, dass sich die beiden Naturen in Christus vollkommen vereint hätten, wobei der göttliche Logos als zweite Person der Trinität der bestimmende Handlungsträger beider Naturen sei. Kyrill von Alexandrien als zentrale Bezugsperson hatte die Göttlichkeit Jesu Christi betont, weil allein Gott Menschen erlösen kann, wie Jesus es tut.
In der Forschung vermeidet man heute oft die missverständliche und parteiische Bezeichnung „Monophysiten“. Vor allem außerhalb der Spezialliteratur ist diese aber immer noch gebräuchlich.
- ↑ Dietmar W. Winkler: "Miaphysitismus". Anmerkungen zur ökumenischen Sinnhaftigkeit eines Neologismus. In: Cristianesimo nella storia. Nr. 1, 2016, ISSN 0393-3598, S. 19–30, doi:10.17395/82927.
- ↑ Baby Varghese: Mia Physite Christology and the Oriental Orthodox Churches. In: Cristianesimo nella storia. Nr. 1/2016, 2016, ISSN 0393-3598, doi:10.17395/82928.