Mosaik-Zyklus-Konzept

Das Mosaik-Zyklus-Konzept (auch Mosaik-Zyklus-Theorie) wird in den Bereichen Ökologie und Naturschutz diskutiert. Es dient neben der fachlich-theoretischen Diskussion der Entwicklung (Sukzession) von Ökosystemen auch zur Entwicklung und Umsetzung von Naturschutz- und Nutzungsstrategien (v. a. Forstwissenschaft). Das Konzept wurde u. a. anhand von Untersuchungen von Wald-Ökosystemen (Urwald­relikten) entwickelt.

Das Mosaik-Zyklus-Konzept geht von einer wiederkehrenden Abfolge (Zyklen) verschiedener Entwicklungsstadien (Sukzessionsstadien) von Ökosystemen aus. Innerhalb eines Ökosystems seien alle verschiedenen Sukzessionsstadien auf Teilflächen gleichzeitig anzutreffen. Dabei setzen lokale und regionale Störungen den Sukzessionsprozess jeweils auf einzelnen Teilflächen asynchron zurück, so dass sich ein heterogenes Mosaik von Entwicklungsstadien ergibt. Die Mosaik-Zyklus-Theorie ist ein Spezialfall einer dynamischen Betrachtung von Ökosystemen, die aber – entgegen häufiger Darstellung – nicht mit dem patch dynamics- oder gap dynamics-Konzept identisch ist, insofern diese Konzepte kein Klimaxstadium kennen, wohl aber die Mosaik-Zyklus-Theorie.

Die Autoren Hermann Remmert und Wolfgang Scherzinger beschrieben Anfang der 1990er Jahre, dass sich (Wald-)Ökosysteme „zyklisch verjüngen“ und die Sukzession innerhalb eines Ökosystems phasenverschoben und asynchron ablaufen kann. Die Ursachen hierfür können sowohl endogen (innerhalb des Systems liegend) als auch exogen (außerhalb des Systems liegend) sein. Ein flächendeckend einheitliches Klimaxstadium wird nach diesem Konzept, entgegen älteren Meinungen (Mono- und Polyklimaxtheorie), nie erreicht. Vielmehr entwickelt sich ein Ökosystem, das aus einem dynamischen Mosaik verschiedener Pflanzengemeinschaften und Altersstufen besteht.

  1. „The most obvious role that disturbance plays in ecosystems is in the deflection of a community from some otherwise predictable successional path. … [W]e find that disturbance and environmental fluctuation prevent this path from being followed for any effective length of time.“ S. T. A. Pickett, P. S. White: Patch dynamics: a synthesis. In: S. T. A. Pickett, P. S. White (Hrsg.): The ecology of natural disturbance and patch dynamics. Academic Press, Orlando 1985, S. 371–384, hier S. 373; vgl. S. T. A. Pickett: Non-equilibrium coexistence of plants. Bulletin of the Torrey Botanical Club 107 (2), 1980, S. 238–248.
  2. „Das Endstadium einer natürlichen Vegetation, die Klimax, erweist sich als ein Mosaik verschiedener Pflanzengesellschaften, die jeweils einem eigenen Zyklus unterworfen sind.“ (Hermann Remmert: Was geschieht im Klimax-Stadium? Naturwissenschaften 72, 1985, S. 505–512, hier: S. 509.)
  3. Hermann Remmert: Das Mosaik-Zyklus-Konzept und seine Bedeutung für den Naturschutz - eine Übersicht. In: Laufener Seminarbeiträge. 5/1991, S. 5–15.
  4. Wolfgang Scherzinger: Das Mosaik-Zyklus-Konzept aus der Sicht des zoologischen Artenschutzes. In: Laufener Seminarbeiträge. 5/1991, S. 30–42.
  5. Wolfgang Scherzinger: Naturschutz im Wald - Qualitätsziele einer dynamischen Waldentwicklung. Ulmer Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3356-3.