Mumifizierung im Alten Ägypten

Mumifizierung im Alten Ägypten (auch Einbalsamierung, Mumifikation) bezeichnet das altägyptische Verfahren, welches nach dem Tod zum Schutz vor dem Zerfall des menschlichen oder tierischen Körpers angewendet wurde. Der Vorgang diente ursprünglich dem Erhalt des Körpers des verstorbenen Königs (Pharaos) als vergöttlichtes Abbild in Verbindung seiner mit dem Himmelsaufstieg erfolgenden Wiedergeburt. Die so hergestellte Mumie repräsentierte als Ach den König, später den zu Osiris gewordenen König, der als „Sohn von Nut“ im Sarkophag, „ihrem Mutterschoß“, in die Götterwelt übertrat.

Im weiteren Verlauf der altägyptischen Geschichte änderte sich die mythologische Ausrichtung. Mit der Einführung des Totenbuches im Neuen Reich hatte auch der „normale Ägypter“ die Möglichkeit, durch die Mumifizierung im Gefolge des verstorbenen Königs den „Achu“ anzugehören. Die Bestattungsriten der „Lösung“, die vom Todestag des Verstorbenen bis zur Beisetzung vollzogen wurden, beinhalteten die Mumifizierung sowie weitere magische Handlungen, die im Idealfall insgesamt 70 Tage andauerten. Den Zeitraum von 70 Tagen leiteten die Ägypter aus der mythologisch-normativen Unsichtbarkeitsdauer des altägyptischen Sternbildes Sopdet ab.

Der Ablauf der Mumifizierung wird vom griechischen Schriftsteller Herodot in dessen zweitem Buch der Historien ausführlich beschrieben.

  1. Unter anderem im Nutbuch beschrieben: „So reinigt er (der Leichnam) sich, so entsteht er im Horizont wie die Sopdet...Wenn er Sopdet genannt hat, so deshalb, weil sie 70 Tage in der Duat verbringt und dann wieder erscheint“; gemäß Alexandra von Lieven: Grundriss des Laufes der Sterne – Das sogenannte Nutbuch. The Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies (u. a.), Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0406-5, S. 88.