Mumpé Medel

Mumpé Medel (bis 1986 offiziell Mompé Medel, davor Mompè Medel) ist ein kleines Dorf in der Gemeinde Disentis/Mustér im Kanton Graubünden. Es liegt auf 1300 m ü. M. auf einer Kuppe zwischen Vorderrhein im Norden und der vom Rein da Medel gebildeten Schlucht Ruinas im Osten.

Das kleine Dorf auf dem Bergrücken ist von Schluchten und Wäldern umgeben. Das Gelände fällt steil rund 200 Meter im Norden und Westen zum Vorderrhein, im Osten zum Rein da Medel ab. Der Berg steigt südwestlich vom Dorf auf 1662 m ü. M. an.

Der Name stammt vom lateinischen mons. Rund zwei Kilometer südwestlich auf der anderen Seite des Vorderrheins liegt das Dorf Mumpé Tujetsch.

Wie das Nachbardorf Mutschnengia, das zwei Kilometer südlich im Val Medel liegt, wurde Mumpé Medel im 14. Jahrhundert von Walsern besiedelt, wurde später aber wieder Romanisiert mit einer vollständig rätoromanischen Bevölkerung. Die ältesten Dokumente im Archiv der Gemeinde Disentis, Urkunden aus dem Jahr 1402, betreffen Mumpé Medel: Die Bewohner erhalten vom Kloster Teile einer Alp vermacht.

Die Kapelle des Dorfes Sogn Valentin ist dem Heiligen Valentin geweiht. Sie ist auf das Jahr 1647 datiert, ein angebrachter Flügelaltar stammt aus dem Jahr 1515. Erwin Poeschel vermutet einen mittelalterlichen Vorgängerbau.

Das heute abgelegene Dorf lag früher am Passweg zum Lukmanierpass, die die Schlucht Ruinas mit diesem Gegenanstieg umging. Die Route führte von Disentis zur Kirche Sontga Gada, hinunter in die Schlucht und über den Vorderrhein (Cuflonser Brücke), dann 200 Meter hoch nach Mumpé Medel und nach einem Aufstieg bis 1400 m ü. M. weiter ins Val Medel hinein über Vergera nach Mutschnengia. Erst von dort führte der Weg ins Tal hinab. Im Bereich der Route vom Rhein zum Dorf – die vielleicht nicht immer der heutigen Wegführung folgte – finden sich zwei Befestigungen, der Wohnturm Caschlatsch und die Burg Ragisch.

Nachdem in den Jahren 1870–1872 die neue Passstrasse gebaut worden war, lag Mumpé Medel abseits der Durchgangsrouten. Der alte Passweg fiel bald an Bedeutung hinter einem Weg zur Passstrasse bei Fontanivas zurück. Erst 1971 nach dem Bau eines Tunnels, der in einem weiten Bogen aus der Schlucht zum Dorf hin aufsteigt, führt eine Strasse nach Mumpé Medel. Dies förderte die «Integration in die Gemeinde» (Simon Camartin). Die Fussgängerbrücke La Pendenta führt seit 2024 über die Vorderrheinschlucht zur Kirche Sontga Gada und vereinfacht so für Fussgänger den Zugang zum Dorf.

Weitere Attraktionen sind eine Schlittelbahn und ein jährliches Hornschlittenrennen. Am Standort des ehemaligen Wohnturms Caschlatsch beim Zusammenfluss von Vorderrhein und Rein da Medel wurde von der ETH Zürich ein Holzturm erbaut, «Turm Caschlatsch» genannt. Der Turm sei eine «Symbiose aus Tradition und Innovation, Handwerk und Technologie» (ETH), bei dessen Planung neue digitale Verfahren getestet wurden.

Im Dorf dominiert die Landwirtschaft. Unterhalb von Mompé Medel wurde zudem Speckstein abgebaut, der im Dorf verarbeitet wurde. Früher gab es auch eine Schule und ein Postamt. 1905 wurde die Einwohnerzahl mit 69 Personen angegeben.

  1. 1 2 3 4 5 6 Gion Tenner: Mumpé Medel. In: Geschichte der Sursassiala. Abgerufen am 8. März 2026.
  2. Adolf Collenberg: Mustér. In: Lexicon istoric retic. Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 8. März 2026 (rätoromanisch).
  3. Paul Zinsli: Walser Volkstum, in der Schweiz, in Vorarlberg, Liechtenstein und Italien: Erbe, Dasein, Wesen. 6. Auflage. Verlag Bündner Monatsblatt, Chur 1991, ISBN 3-905241-17-X, S. 28.
  4. Gionduri Maissen: L’istorgia da Mumpé Medel ha cumenzà cun gualsers e signurs. In: Radiotelevisiun Svizra Rumantscha. SRF, 28. Oktober 2024, abgerufen am 8. März 2026 (rätoromanisch).
  5. 1 2 3 Simon Camartin: Eine ganz besondere Gemeinde. In: Gion Condrau (Hrsg.): Disentis/Mustér: Geschichte und Gegenwart. Gemeinde Disentis/Mustér, Disentis/Mustér 1996, ISBN 978-3-9521081-0-9, S. 7 f.
  6. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band V. Birkhäuser, Basel 1943, S. 121 f.
  7. 1 2 Strecke 77 Disentis–Olivone, Lukmanierpass. In: Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz. Dezember 1994 (geo.admin.ch [PDF; abgerufen am 8. März 2026]).
  8. Strecke 77.1.3 Disentis–Olivone, Lukmanierpass. In: Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz. Dezember 1994 (geo.admin.ch [PDF; abgerufen am 8. März 2026]).
  9. Strecke 77.1 Disentis–Olivone, Lukmanierpass. In: Inventar Historischer Verkehrswege der Schweiz. Dezember 1994 (geo.admin.ch [PDF; abgerufen am 8. März 2026]).
  10. Stefan M. Seydel: Archiv #SendaDilsCaputschins. In: dissent.is. 10. November 2022, abgerufen am 8. März 2026.
  11. Andres Herzog: Mensch und Maschine bauen in Disentis/Mustér einen Holzturm. In: ETH Zürich. Departement Architektur, 13. September 2024, abgerufen am 8. März 2026.
  12. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Hrsg.): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Krailigen – Plentsch. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1905, S. 395, Stichwort Mompè Medel  (Scan der Lexikon-Seite).