Kurzsichtigkeit
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| H44.2 | Degenerative Myopie/Maligne Myopie |
| H52.1 | Myopie |
| H52.5 | Akkommodationsspasmus |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| 9B76 | Degenerative hohe Myopie |
| 9D00.0 | Myopie |
| 9D01.2 | Akkommodationsspasmus |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Mit Kurzsichtigkeit oder Myopie (altgriechisch μυωπία myōpía) bezeichnet man eine bestimmte Form von optischer Fehlsichtigkeit (Ametropie) des Auges. Das Auge fokussiert das Licht vor, statt auf der Retina. Das ist zumeist Folge entweder eines zu langen Augapfels oder einer für seine Länge zu starken Brechkraft seiner optisch wirksamen Bestandteile. Das Ergebnis ist ein Abbildungsfehler, der weit entfernte Objekte unschärfer erscheinen lässt als nahe gelegene – der Betroffene sieht also in der Nähe (daher die Bezeichnung „kurz-sichtig“) besser als in der Ferne.
Zur Entstehung von Kurzsichtigkeit tragen sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren bei. Als einer der größten Risikofaktoren gilt mangelnder Aufenthalt im Freien während der frühen Kindheit. Das liegt in den Auswirkungen von Tageslicht auf die Produktion und Freisetzung retinalen Dopamins begründet.
Weltweit sind etwa 1,5 Milliarden Menschen kurzsichtig. Der Anteil Kurzsichtiger an der Gesamtbevölkerung nimmt in den letzten Jahren deutlich zu, variiert aber weltweit stark. Aufgrund der größeren Verbreitung in Industriestaaten kann Kurzsichtigkeit als eine Zivilisationskrankheit bezeichnet werden. Laut einer Studie könnten bis zum Jahr 2035 in Europa mindestens etwa 60 Prozent der unter 30-Jährigen kurzsichtig sein.
Das Ausmaß einer Kurzsichtigkeit wird durch eine Refraktionsbestimmung ermittelt und in Dioptrien angegeben. Nach Ursache und Zeitpunkt ihres Auftretens lassen sich verschiedene Formen unterscheiden, für die es in den meisten Fällen keine ursächliche Behandlungsmöglichkeit gibt. Durch das Tragen von Hilfsmitteln wie Brillen oder Kontaktlinsen kann jedoch der Brechungsfehler korrigiert werden. Eine operative Korrektur, die heute meist mit Hilfe eines Lasers durchgeführt wird, ist in vielen Fällen ebenfalls möglich.
- ↑ Karla Zadnik: Myopia Prevention: Here Comes the Sun, Fachzeitschrift Ophthalmology, Volume 127, Issue 11, S. 1470–1471. In: aaojournal.org
- ↑
- ↑ D. Cui, K. Trier, S. Munk Ribel-Madsen: Effect of day length on eye growth, myopia progression, and change of corneal power in myopic children. In: Ophthalmology. 120. Jahrgang, Nr. 5, Mai 2013, S. 1074–9, doi:10.1016/j.ophtha.2012.10.022, PMID 23380471 (englisch).
- ↑ M. Feldkaemper, F. Schaeffel: An updated view on the role of dopamine in myopia. In: Experimental Eye Research. 114. Jahrgang, September 2013, S. 106–19, doi:10.1016/j.exer.2013.02.007, PMID 23434455 (englisch).
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- ↑ Augengesundheit: Digitalisierung fördert Kurzsichtigkeit. Abgerufen am 13. März 2026.