Natürliches Monopol

Ein natürliches Monopol ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die am Markt teilnehmenden Unternehmen automatisch zur Organisationsform eines Monopols tendieren, also im Wettbewerb der Unternehmen auf Dauer nur ein Unternehmen überleben würde. Dies betrifft vor allem Unternehmen, die mit Leitungen zu tun haben, zum Beispiel in den Bereichen Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation und Eisenbahn. So ist die Stromversorgung klassischerweise ein Gebietsmonopol, weil der Anbieter, der bereits einen großen Teil einer Stadt an sein Netz angeschlossen hat, die restlichen Häuser der Stadt deutlich billiger versorgen kann, als das Konkurrenzunternehmen, das zunächst eine Leitung aus dem Nachbarort legen müsste. Weil es die Automatik zur Monopolbildung gibt, werden diese Wirtschaftsbereiche reguliert. In Staaten findet oft ein Wechsel von einem staatlichen Monopol zu einer liberalisierten, aber zugleich regulierten Marktsituation in den entsprechenden Wirtschaftsbereichen statt. Die Liberalisierung findet durch eine Gestaltung der Wettbewerbs- und Regulierungspolitik statt.

Das natürliche Monopol ist ein echtes Monopol, weil nur ein Unternehmen und nicht mehrere konkurrierende Unternehmen den Markt versorgt. Es wird als „natürliches Monopol“ bezeichnet, weil einerseits ökonomische Gründe zur Monopolisierung führen und es deshalb vom künstlichen Monopol abzugrenzen ist. Ferner ist es vom rechtlichen Monopol und vom Kartell zu unterscheiden.

In der Theorie werden vor allem öffentliche Versorgungsunternehmen, bei denen sehr hohe Fixkosten für den Aufbau eines Netzwerks (zum Beispiel Straßennetze, Schienen-, Energie-, Leitungs- und Kommunikationsnetze) vergleichsweise geringen Betriebskosten gegenüberstehen, als Beispiel für natürliche Monopole erwähnt. Auch im Rahmen der Digitalisierung kann es zu einer Linearisierung der Kosten kommen und damit zu einem natürlichen Monopol.

  1. 1 2 3 Sabine Spelthahn: Privatisierung natürlicher Monopole: Theorie und internationale Praxis am Beispiel Wasser und Abwasser. 1. Auflage. Gabler, Wiesbaden 1994, ISBN 978-3-409-13885-7, S. 42.
  2. natürliches Monopol. In: Gabler Wirtschaftslexikon vom 19. Februar 2018.
  3. Wolfgang Cezanne, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 6. Auflage, 2005, S. 63; ISBN 3-486-57770-0
  4. Robert S. Pindyk/Daniel L. Rubinfeld, Mikroökonomie, Person-Verlag/München, 6. Auflage, 2005, S. 477; ISBN 978-3-8273-7164-5
  5. Anton Frantzke: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Mikroökonomische Theorie und Aufgaben des Staates in der Marktwirtschaft. Schäffer-Poeschel/Stuttgart, 1999, S. 220 ff.
  6. Ralf Peters, Internet-Ökonomie, Springer, 2010, S. 15; ISBN 978-3-642-10651-4