Nicolaus Bruhns
Nicolaus Bruhns, auch Nikolaus Bruhns, manchmal Nicolaus Bruhn oder Nicolaus Bruns (* Dezember 1665 in Schwabstedt; † 29. Märzjul. / 8. April 1697greg. in Husum), war ein deutscher Komponist der norddeutschen Orgelschule und ein Orgel- und Geigenvirtuose.
Über das Leben von Bruhns ist wenig bekannt. Er lernte bei Dieterich Buxtehude in Lübeck und wirkte vorübergehend in Kopenhagen. Sein Ruf als außerordentlicher Virtuose verbreitete sich und führte dazu, dass die Städte Kiel und Husum darum konkurrierten, ihn als Organisten und Leiter der Kirchenmusik zu gewinnen. In Husum arbeitete er in Folge mit einem geschätzten Kantor zusammen, starb aber bereits in jungen Jahren.
Von Bruhns sind nur vier Orgelstücke und zwölf geistliche Werke überliefert. Unter den drei Praeludien für Orgel vertritt das große in e-moll beispielhaft den Stylus phantasticus mit einem oftmaligen Wechsel der Gestaltungsweise und der Verbindung strenger kontrapunktischer Mehrstimmigkeit und freier instrumenttypischer Setzweise, was hier einen poetischen Charakter bewirkt. Große spieltechnische Anforderungen stellen nicht nur die Orgelwerke, sondern auch die Violinstimme des geistlichen Konzerts Mein Herz ist bereit, in dem die brillante Instrumentalstimme mitunter die Vokalpartie in den Schatten stellt.
Das Orgelwerk von Bruhns findet sich in einer Sammlung norddeutscher Orgelmusik, die Johann Sebastian Bach studierte, und fand auch im 19. Jahrhundert Aufmerksamkeit. Während das e-moll-Praeludium seit seinem Erstdruck 1912 kontinuierlich als herausragendes Beispiel der Orgelmusik vor Bach herausgestrichen wurde, differieren die Einschätzungen der Vokalmusik. Leben und Werk von Bruhns wurden 1878 von Theodor Storm und 2015 von Andreas Nohr literarisch verarbeitet.