Noise (Musik)
| Noise | |
|---|---|
| Entstehungsphase: | Ende der 1970er |
| Herkunftsort: | Japan, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten |
| Stilistische Vorläufer | |
| Industrial, No Wave, Post-Punk | |
| Pioniere | |
| Maurizio Bianchi, Come, Hijokaidan, Merzbow, Nocturnal Emissions | |
| Subgenre | |
| Japanoise, Harsh Noise, Harsh Noise Wall, Noise-Rock, Power Electronics | |
| Elektronische Hybride | |
| Death Industrial, Dark Ambient, Glitch, Clicks & Cuts, Digital Hardcore | |
Noise (englisch Geräusch, Krach, Lärm) ist ein avantgardistisches, experimentelles und popkulturelles Musikgenre, das zum Ende der 1970er-Jahre aus der langen Tradition musikalischer Praxis entstand. In diesem Genre ersetzt oder ergänzt der Einsatz von Geräuschen die Harmonien, Melodien und den tonalen Klang. Aufgrund der Vielzahl an Herangehensweisen und Intensitäten der Umsetzung existiert unter dem Begriff Noise kein einheitliches Klangbild. Die Interpreten des Genres arbeiten auf jeweils eigene Weise am Klang selbst. Eine allgemeingültige Gemeinsamkeit im Klang oder im Instrumentarium gibt es daher nicht. Vielmehr ist der Stil durch das gezielte Auslassen oder Brechen traditioneller musikalischer Elemente wie Melodie, Rhythmus und Struktur in unterschiedlichen Formen geprägt.
Noise stellt eine bewusste Abkehr von gewohnten musikalischen Formen dar. Die Interpreten des Noise neigen dazu, die Unterscheidung zwischen musikalischen und nicht-musikalischen Klängen der herkömmlichen Musikpraxis radikal in Frage zu stellen. Durch die Umkehr und Erweiterung des akustischen Repertoires und Vokabulars verschieben sie die Begrifflichkeit von Musik. Entsprechend gilt Noise als Musik, die die musikalischen Möglichkeiten des Unmusikalischen und die unmusikalischen Möglichkeiten des Musikalischen erforscht.
Im Klassifikationsschema, das zwischen E- und U-Musik unterscheidet, steht Noise als kulturindustriell subversive U-Musik der Popkultur in einer Tradition und Parallelität zu Entwicklungen, die eher der E-Musik zugerechnet werden, darunter Bruitismus, Musique concrète und Neue Musik. Allerdings entwickelte sich Noise aus den Strömungen des Jazz sowie der Pop-, speziell der Rockmusik und etablierte sich bis zum Ende der 1970er-Jahre als eigenständiges Genre. Trotz des Begriffs Noise (Geräusch beziehungsweise Lärm) ist Noise nicht unmittelbar mit dem Bruitismus oder der Musique concrète verwandt, deren Ausgangspunkt oft Geräusche wie Eisenbahnen oder Motorengeräusche waren, die arrangiert und mit klassischen Instrumenten kombiniert wurden. Insbesondere im Bruitismus hatte das Geräusch eine programmatische Bedeutung, die unter anderem auf Symbole des Fortschritts verwies. Dennoch verweisen Interpreten und Genrechronisten des popkulturellen Noise und seiner Spielformen auf den Futurismus als wichtigen konzeptionellen Vorläufer des Genres.
Als popkulturelles Genre entstand Noise in der kulturellen Verschränkung von Entwicklungslinien des Artrock, Free Jazz und Happening – zwischen Industrial, No Wave und Post-Punk. Insbesondere Teile des No Wave, Industrial und Post-Punk gelten als Ur-Genre oder Frühformen des Noise. Die unterschiedlichen Ursprünge und Traditionslinien führten in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einem Anstieg an Interpreten und Spielweisen, die dem Genre zugerechnet werden. Als erstes bekannt wurden darunter der britische Power Electronics und der heterogene japanische Japanoise. Gemein war den Stilen, dass sie anfangs dem Industrial/Post-Industrial und Post-Punk zugerechnet wurden. Mit den fortschreitenden technischen Möglichkeiten durch günstigere digitale und elektronische Instrumente, Effektgeräte und Produktionstechnik wuchs das Genre in und nach den 1990er-Jahren weiter – bis hin zu einer fortwährenden Hybridisierung mit anderen Stilrichtungen der Pop- und Rockmusik in den 2000er-Jahren und darüber hinaus. Bekannte Genres der 1990er-Jahre, die zumindest teilweise mit Noise in Verbindung gebracht werden, sind Dark Ambient, Digital Hardcore, Glitch, Clicks & Cuts, Jazzcore, Drone Doom, Death Industrial und Harsh Noise. In den 2000er-Jahren wurde insbesondere der Harsh Noise Wall als eine zeitgenössische und radikale Variante des Noise populär.