Normative Wissenschaft

Das Ziel normativer Wissenschaft ist die allgemeingültige Beantwortung normativer Fragen.

Normative Fragen sind Fragen nach dem, was sein soll, insbesondere wie gehandelt werden soll und welche Werte und Ziele angestrebt werden sollen. Normative Fragen stellen sich unter anderem in der Ethik, der Politik, der Ökonomie, dem Recht und der Pädagogik.

Bei den positiven Wissenschaften ergibt sich in Abgrenzung von den normativen Wissenschaften intersubjektive Nachprüfbarkeit aus der prinzipiellen Wiederholbarkeit der Feststellungen (z. B. durch ein Experiment) auf der Grundlage dessen, was sinnlich gegeben ist. Deshalb spricht man hier auch von empirischen Wissenschaften oder Erfahrungswissenschaften.

Normative Wissenschaft ist nicht zu verwechseln mit der empirischen Untersuchung von Normen durch Soziologie, Ethnologie oder Psychologie. Während es diesen Wissenschaften um die Beschreibung und Erklärung bestehender Normensysteme geht, bemüht sich normative Wissenschaft um die Rechtfertigung und Kritik einzelner Normen und ganzer Normensysteme. Sie stellt eine Metatheorie dieser Systeme dar.

Wissenschaft unterscheidet sich von anderen Formen der Erkenntnisgewinnung dadurch, dass für ihre Ergebnisse nicht nur allgemeine Geltung beansprucht wird, sondern dass dieser Anspruch auch durch intersubjektiv nachvollziehbare Argumente begründet wird.

So beansprucht die Astrologie als Kunst der Sterndeutung für ihre Aussagen zwar auch eine allgemeine, also subjektunabhängige und dauerhafte Geltung, doch fehlt es der Astrologie im Unterschied zur wissenschaftlichen Astronomie an der intersubjektiv nachprüfbaren Begründung ihrer Aussagen, unabhängig von einem persönlichen Evidenzerlebnis des Forschers.