Ostalpenbahn
Ostalpenbahn ist ein Sammelbegriff für mehrere unverwirklichte Eisenbahnstrecken in der Schweiz. Es handelt sich um Planungsprojekte für den Bau einer normalspurigen Transitachse durch die Ostalpen, die in der Ostschweiz beginnen und nach Norditalien führen sollte. Jahrhundertelang hatten die Strassen über die Alpenpässe Graubündens zu den wichtigsten Übergängen gehört und zur Entstehung eines florierenden Transportgewerbes geführt. Die Errichtung eines Eisenbahn-Alpendurchstichs sollte diesen Status erhalten und noch weiter stärken; ebenso erhoffte man sich zusätzliche wirtschaftliche Impulse.
Die Idee kam in den 1830er Jahren auf, als die Kantone Graubünden und St. Gallen die Machbarkeit einer alpenquerenden Bahnverbindung untersuchen liessen. Diese sollte den potenziellen internationalen Schienenverkehr von Norden nach Süden über ihr Gebiet lenken. Es standen unterschiedliche Streckenvarianten zur Debatte, die ihren nördlichen Ausgangspunkt alle in Chur hatten. Von dort aus sollte die Bahnstrecke entweder via Lukmanierpass oder Splügenpass verlaufen. Varianten dieser Projekte sahen Strecken via Greinapass, San-Bernardino-Pass und Septimerpass vor. Eine weitere Idee war die Engadin-Orientbahn via Albulapass und Ofenpass in den Vinschgau. Dabei zeichnete sich früh eine Konkurrenzsituation mit dem Gotthardpass im Westen ab, die sich letztlich als zu stark erwies.
Obwohl die Ostalpenbahn politische Unterstützung genoss, konnte sie nie realisiert werden, da andere Alpentransitrouten praktischer und wirtschaftlich sinnvoller waren. In der Schweiz setzten sich die 1882 fertiggestellte Gotthardbahn und der 1906 eröffnete Simplontunnel durch, weiter verstärkt durch die Eröffnung der beiden NEAT-Basistunnel im frühen 21. Jahrhundert. Dennoch wurden bis in die 1990er Jahre Konzepte für normalspurige Bahnstrecken in Graubünden ausgearbeitet. Als eine Art Ersatz entstand das ausgedehnte meterspurige Streckennetz der Rhätischen Bahn, dessen Bedeutung jedoch regional beschränkt bleibt.