Pädosexualität

Pädosexualität bedeutet, als erwachsener Mensch sexuelle Handlungen an oder mit Kindern (unter 14 Jahren) durchzuführen, was in den meisten Ländern einen strafrechtlichen Tatbestand darstellt. Kommt es zu sexuellen Handlungen an oder mit Kindern, sprechen Mediziner von Pädosexualität. Juristisch gesehen ist dann der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern erfüllt (Pädokriminalität).

In einer Fachpublikation beziffert der Herausgeber Klaus Michael Beier den Anteil an Sexualstraftaten, die durch pädophil veranlagte Täter an Kindern verübt werden, bei 30 bis 50 Prozent, während für die restlichen Taten Ersatz- oder Ausweichtäter verantwortlich sind, deren sexuelles Interesse auf Erwachsene ausgerichtet ist. Eine 2010 veröffentlichte Studie der Universität Regensburg geht davon aus, dass 60 Prozent der wegen sexueller Übergriffe auf Kinder Inhaftierter keine Pädophilie aufwiesen.

Die Bewertung sexueller Handlungen an Kindern änderte sich seit den 1960er Jahren: Nachdem sie zunächst im Zuge der „Sexuellen Revolution“ seit den frühen 1960er Jahren eher positiv gesehen wurden, wurde vor allem durch die Debatte um sexuellen Missbrauch in der Neuen Frauenbewegung seit Mitte der 1980er Jahre die Schädigung von Kindern ins Zentrum gestellt, die Opfer sexueller Übergriffe durch Erwachsene wurden. Heutiger wissenschaftlicher Konsens ist, dass Kinder und teilweise Jugendliche zwar willentlich in sexuelle Handlungen einwilligen können, dabei aber nicht die Tragweite einer solchen Zustimmung überschauen. Demnach stimmten sie der Handlung nicht wissentlich (informiert) zu, unabhängig davon, wem sie zustimmen.

  1. 1 2 Meike Fries, Dagny Lüdemann: Sexualforschung: Was ist Pädophilie? Die Zeit, aufgerufen am 28. April 2022
  2. Klaus Michael Beier (2018): Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch. Springer Psychotherapie: Manuale doi:10.1007/978-3-662-56594-0
  3. Der Diskurs um Pädophilie/Pädosexualität im Bundesverband pro familia in den 1970er bis 1990er Jahren. Studie zur Unterstützung der Selbstaufklärung des Bundesverbands der pro familia pro familia, aufgerufen am 28. April 2022
  4. David Finkelhor, Sherry Hamby, Heather Turner, Wendy Walsh, Ethical Issues in Surveys about Children’s Exposure to Violence and Sexual Abuse, The Wiley Handbook on the Psychology of Violence (2016), S. 24 ff.
  5. CHILD ABUSE AS AN INTERNATIONAL ISSUE, David Finkelhor, Ph.D., Jill Korbin, Ph.D., Child Abuse & Neglect. Vol. 12. PP. 3–23. 1988
  6. David Finkelhor et al. [Hrsg.]: A Sourcebook On Child Sexual Abuse. Sage, Newbury Park 1986.
  7. Monika Egli-Alge: Stellungnahme aus fachpsychologischer Sicht zur Frage, inwieweit geistig behinderte Personen strafrechtlich vor sexuellen Übergriffen geschützt werden sollten, wenn sie zwar zum Widerstand fähig wären, aber keinen Widerstand leisten, sondern - scheinbar- einvernehmlich an der sexuellen Handlung mitwirken, S. 898-900. In: Abschlussbericht der Reformkommission zum Sexualstrafrecht. Bundesministerium für Justiz, 19. Juli 2017, abgerufen am 2. Juli 2023.