Panamerikanische Konferenz (1889)

Die Panamerikanische Konferenz von 1889 fand zwischen dem 2. Oktober 1889 und dem 19. April 1890 in Washington statt.

An dieser Konferenz nahmen Vertreter aller amerikanischen Staaten mit Ausnahme von Paraguay, Haiti und Santo Domingo teil. Der später so benannte Konferenz wurde auf Einladung der USA veranstaltet und von James G. Blaine angestrengt, um über einen engeren wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluss Amerikas zu beraten. Ein erhaltenes Foto belegt, dass die 46 vertretenen Diplomaten durchgehend männlich und weiß waren.

Gegenstand der Beratungen waren die Erleichterung der Handelsbeziehungen durch Zollverträge und durch ein einheitliches Maß-, Gewichts- und Münzsystem, Einsetzung von internationalen Schiedsrichtern (Ombudsmännern), eine panamerikanische Bank und Ähnliches. Zudem wollte die USA im Sinne ihrer Monroe-Doktrin weiter daran arbeiten, europäische Einflusszonen auf dem amerikanischen Doppelkontinent zu beseitigen.

Diesen Vorschlägen standen jedoch vornehmlich lateinamerikanische Vertreter reserviert gegenüber. Der Kubaner José Martí etwa, der als Beobachter teilnahm, erklärte, er sei sehr sicher, dass die Iberoamerikaner sich vor der spanischen Tyrannei befreien würden, aber es sei an der Zeit, dass Hispanoamerika seine zweite Unabhängigkeit erkläre. Er meinte eine kulturelle und ideelle Unabhängigkeit vom nordamerikanischen Kontinent, wie er in seinem parallel zur Konferenz erscheinenden Essay Nuestra América deutlicher ausdrückte. Vor allem Argentinien und Chile hatten starke Vorbehalte gegen die US-amerikanischen Pläne, woran schließlich ein grundlegendes Übereinkommen im Wesentlichen scheiterte.

Die erste Panamerikanische Konferenz brachte die Gründung der Internationalen Union der amerikanischen Republiken hervor. Diese sollte ihren Sitz in Washington haben und über ein von den USA finanziertes ständiges Sekretariat verfügen. Auch wurden Leitlinien über Hygiene, Auslieferungsprotokolle und über den Aufbau einer gemeinsamen Kommunikations- und Transportinfrastruktur beschlossen, sowie weitere regelmäßige Treffen vereinbart, was 1902 zur Gründung der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation und 1910 zum Entstehen der Panamerikanischen Union führte. Austragungsort der Panamerikanische Konferenz von 1889–1890 war die Villa des früheren Washingtoner Bürgermeisters Richard Wallach, die 1950 abgerissen wurde.

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Giancarlo Summa: Jenseits der Monroe-Doktrin – Die panamerikanischen Wurzeln des Multilateralismus. Übersetzt von Heike Maillard. In: Dorothee D’Aprile (Hrsg.): Le Monde diplomatique. Nr. 10/31. TAZ/WOZ, 9. Oktober 2025, ISSN 1434-2561, S. 11 (monde-diplomatique.de).
  2. Bill J. Karras, Jose Marti and the Pan American Conference, 1889–1891. In: Revista de Historia de América. 77/78, 1974, S. 77–99.
  3. José Martí in: Gregorio Recondo: El sueño de la Patria Grande. Ideas y Antecedentes Integracionistas en América Latina. Buenos Aires 2001, S. 130.