Pfadabhängigkeit

Pfadabhängigkeit ist ein wissenschaftliches Konzept, das Prozessmodelle beschreibt, deren Verlauf einem Pfad ähnelt.

Wie bei einem Pfad gibt es dort Anfänge und Kreuzungen, an denen mehrere Alternativen zur Auswahl stehen. An diesen Kreuzungspunkten verhalten sich pfadabhängige Prozesse nicht deterministisch, sondern chaotisch. Ein kleiner Einfluss kann hier einen großen Effekt haben und zu einem ganz anderen Ausgang führen.

Nachdem sich eine bestimmte Alternative etabliert hat, folgt eine stabile Phase. Positive Rückkopplungs­effekte verstärken den eingeschlagenen Pfad, z. B. in der Wirtschaft positive Feedback-Effekte. Kleinere Einflüsse bewirken kaum mehr eine Richtungsabweichung. Waren andere Alternativen am Kreuzungspunkt noch relativ mühelos erreichbar, wird ein bewusstes Umschwenken in der stabilen Phase deutlich aufwendiger.

So wird an einem Pfad unter Umständen selbst dann festgehalten, wenn sich später herausstellt, dass eine Alternative überlegen gewesen wäre. Pfadabhängige Prozesse sind also nicht selbstkorrigierend, sondern verfestigen unter anderem auch Fehler.

  1. Paul Pierson: Politics in time. History, Institutions and Social Analysis. Princeton University Press, Princeton NJ u. a. 2004, ISBN 0-691-11715-2, S. 10 f.
  2. John N. T. Helferich: Pfadabhängigkeiten und Verfügbarkeitsheuristiken als Determinanten von Außenpolitik. Die US-Iranpolitik unter Donald Trump. In: Transatlantische Perspektiven unter Obama und Trump: Eine Vergleichsstudie zur Frage nach Kontinuität und Wandel US-amerikanischer Außen- und Sicherheitspolitik. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-41564-8, S. 491–522, doi:10.1007/978-3-658-41564-8_17 (springer.com [abgerufen am 9. Mai 2025]).