Pinocchio
Pinocchio [] ist eine Kinderbuchfigur des italienischen Autors Carlo Collodi. Sie war der Held der ab dem 7. Juli 1881 unter dem Titel Le Avventure di Pinocchio: Storia di un burattino (Pinocchios Abenteuer: Geschichte einer Holzpuppe) in der Wochenzeitschrift Giornale per i Bambini erschienenen Fortsetzungsgeschichte. 1883 erschienen die gesammelten 36 Episoden als Buch.
Collodi verfolgte mit seinem Entwicklungsroman pädagogische Absichten; seine Leser (er hatte etwa zehnjährige Schuljungen vor Augen) sollten zu fleißigem Lernen und Arbeiten, zu Gehorsam und Bedachtsamkeit angehalten werden. Pinocchio, die lebendige Puppe, ist zappelig, neugierig und verspielt, aber am Ende des Buches erreicht er das Lernziel und wird zur Belohnung in einen Menschenjungen verwandelt.
Die Handlung des eher schmalen Buches ist abwechslungsreich und schreitet schnell voran, und hilfreiche sprechende Tiere sind ihre häufigsten Teilnehmer. Pinocchios „Eltern“, der alte Geppetto, der ihn geschnitzt hatte, und die Fee mit den blauen Haaren, ermahnen ihn, aber lieben ihn auch von Herzen. Die weiteren auftretenden Menschen sind keine moralischen Vorbilder.
Carlo Collodi „verdankt der Verwurzelung im Toskanischen nicht nur eine ironische Einstellung zum Leben, sondern auch eine farbige Ausdrucksweise, welche die Lebendigkeit und Natürlichkeit der gesprochenen Sprache widerspiegelt.“ Er schafft es, „die kindliche Perspektive in der Erzählung sprachlich und inhaltlich lebendig und humorvoll zu vermitteln“. Er setzt immer wieder hintersinnige Pointen, die sich dem Leser erst durch Close Reading erschließen.
Der Stoff wurde wiederholt übersetzt und adaptiert und noch öfter verfilmt. Diese Bearbeitungen schrieben Pinocchios Nase eine Bedeutung zu, die sie in Collodis Buch nicht hatte. Dass Pinocchio lügt und daraufhin seine Nase wächst, kommt im Buch nur an zwei Stellen vor, die zusammen keine drei Seiten umfassen. Bei Collodi ist Pinocchio kein notorischer Lügner, sondern ein leichtsinniger Faulpelz.