Präsentismus (Philosophie)

Präsentismus (engl. presentism) wurde vermutlich 1950 zum ersten Mal als Begriff in der Theorie der Geschichtswissenschaft von dem amerikanischen Historiker Chester McArthur Destler verwendet, der als „subjectivist-relativist-presentist“ die Auffassung vertrat, dass Historiker nicht wissenschaftlich objektiv sein könnten, da der gesamte Forschungsprozess durch die Gegenwart des jeweiligen Historikers bestimmt und Geschichtsschreibung daher grundsätzlich subjektiv und relativ sei.

Verschiedene Autoren sprechen auf der Grundlage der Begriffsbildung auch von einem Präsentismus in der Philosophie. Wenngleich der Begriff in der Philosophie noch nicht allgemein etabliert scheint, wäre laut der deutschen Philosophin Eva Weber-Guskar „neben der bisherigen kultur- oder medienwissenschaftlichen Verwendung dieses Begriffs (...) auch eine philosophische denkbar.“

  1. Reinhold Hülsewiesche: Historisches Wörterbuch der Philosophie online. Schwabe AG, Verlag, abgerufen am 2. Januar 2026.
  2. Chester McArthur Destler. “Some Observations on Contemporary Historical Theory”. American Historical Review. 55:3. April 1950.
  3. Eva Weber-Guskar: Gestörtes Zeitbewusstsein – Der digitale Präsentismus verdrängt Vergangenheit und Zukunft. In: WZB Mitteilungen. Heft 166. Dezember 2019, S. 10–12, abgerufen am 2. Januar 2026.