Probus (Ravenna)
Probus (I.) († an einem 10. November) war der Legende nach der siebente Bischof von Ravenna. Früher wurde häufig als Amtsperiode auf die Jahre 142 bis 175 verwiesen.
Die elf Nachfolger des legendären Bistumsgründers, also auch Probus I., werden als Colombini bezeichnet, weil bei ihrer Wahl jeweils eine Taube erschien, die den geeignetsten Kandidaten bezeichnet, indem sie sich auf dessen Schulter setzte. Damit waren sie gleichsam von Gott selbst bestimmt. Die Wahl durch die Taube wurde geradezu zu einem „Leitmotiv“ der Ravennater Kirchentradition.
Die Reliquien des hl. Probus werden in der Basilica Ursiana von Ravenna verehrt. Gedenktage des Heiligen sind der 10. November und der 11. März. Die Translation seiner Gebeine wird am 5. März begangen.
Diese Reliquien wurden wohl vom Langobardenkönig Aistulf, nachdem diesem die Eroberung Ravennas im Jahr 751 gelungen war, nach Pavia verbracht. Wahrscheinlich aber wurde Probus nur erfunden, um das hohe Alter des Bistums vor Augen zu führen.
- ↑ So etwa in Franz von Sales Doyé: Heilige und Selige der römisch-katholischen Kirche. Deren Erkennungszeichen, Patronate und lebensgeschichtliche Bemerkungen, Bd. 2, Vier Quellen, Leipzig 1929, S. 206 oder Joseph Adam Gustav Hergenröther: Kirchenlexikon, Bd. 10, 2. Aufl., Herder, Freiburg 1897, Sp. 823.
- ↑ Giulia Marchioni: Una tradizione ravennate: la colomba dello Spirito Santo e la Provvidenza, in: Giuseppe Garzia, Alessandro Iannucci, Mariangela Vandini (Hrsg.): Studi sul patrimonio culturale, Bd. 1: Il patrimonio culturale tra conoscenza, tutela e valorizzazione, Bononia University Press, Bologna 2015, S. 129–139, hier: S. 132.
- ↑ Vita Probi, ed. Rerum Italicarum scriptores Band 1, 2. 1725, S. 556.
- ↑ Jean-Charles Picard: Le souvenir des évêques. Sépultures, listes épiscopales et culte des évêques en Italie du Nord des origines au Xe siècle, École française de Rome, Rom 1988, ISBN 2-7283-0116-6, S. 124.