Progressiv (Grammatik)

Als Progressiv bezeichnet man in der Sprachwissenschaft eine Bedeutungskategorie von Verbformen, die den übergeordneten Kategorien des imperfektiven (unvollendeten) Aspekts oder der durativen Aktionsart zugeordnet wird. Als Progressiv, oder eigentlich Progressiv-Form, kann zunächst die sogenannte Verlaufsform von Verben bezeichnet werden, also etwa im Englischen die Konstruktion „He was crossing the street“ (im Gegensatz zu „He crossed the street“) oder im Deutschen „Er war dabei, seinen Koffer zu packen“. Im engeren Sinn bezeichnet Progressiv allerdings eher die Bedeutung, die von dieser Verlaufsform ausgedrückt wird, und die ebenso, je nach Einzelsprache, auch als Bedeutung anderer Verbformen auftreten kann.

Kennzeichnend für die progressive Interpretation von Verben ist, dass ein Ereignis als nicht abgeschlossen präsentiert wird, selbst wenn die Wortbedeutung des Verbs einen solchen Abschluss als wesentliche Komponente enthält (telisches Verb). Eine typische Verwendung ist auch, dass ein Verb im Progressiv einen zeitlichen Rahmen liefert, in den ein zweites, eventuell punktuelles Ereignis fällt. Dieser Zusammenfall kann sich ereignen, bevor das erste, progressive Ereignis abgeschlossen ist, oder ohne dass es überhaupt abgeschlossen wird.

  1. Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. aktualisierte u. überarbeitete Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart u. Weimar 2010. Lemma: „Aktionsart“ S. 22f. Dort Unschlüssigkeit über die Einordnung: „Die progressive form des Engl. kann in Opposition zum simple present als Vertreter der durativen A[ktionsart] aufgefasst werden, es liegt aber näher, den Gegensatz als Aspektkorrelation zu behandeln, ebenso die Progressiv-Konstruktion (...) des Dt. (z.B. Sie ist am Arbeiten)“ (S. 22)