Proprietarismus
Proprietarismus (frz. propriétarisme von propriété, Eigentum bzw. propriétaire, Eigentümer) ist ein von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty geprägter Begriff für ein politisch-ökonomisches System, das die Ungleichheit der Vermögen vergrößert, und für eine Ideologie, die auf Eigentumsrechte fixiert ist und diese Ungleichheit rechtfertigt. Nach Piketty hat sich die Welt seit den 1990er Jahren hin zu einem „hyper-inegalitären“ Zustand entwickelt, wozu Steuer-, Erbschafts- und Aktienrecht sowie der Wegfall der Systemkonkurrenz beigetragen haben. Eine ähnliche Entwicklung habe bereits die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die Belle Époque (1880–1914) mit ihrem Zensuswahlrecht, geprägt. Diese Ungleichheit der Vermögen sei dann durch Sozialreformen und das Erstarken der Sozialdemokratie von 1920 bis etwa 1980 abgebremst worden. Das moderne Europa genauso wie die USA verdanken nach Piketty ihre globale Dominanz politischen „Entscheidungen, die explizit darauf abzielten, den Wert des Privateigentums für die Eigentümer und die Machtposition der Eigentümer in der Gesellschaft zu reduzieren“ und den Einfluss der großen Eigentümer zu begrenzen. Gemeint ist damit der Aufstieg des Sozialstaats, der durch die Zerstörungen und Wiederaufbauprogramme der Weltkriege nötig geworden war. Die Weigerung vieler Ökonomen, über Verteilungsprobleme zu sprechen, fördere laut Piketty die Entwicklung des neuen Proprietarismus.
Politisch eng verbunden mit dem Proprietarismus sind die Forderungen nach Einschränkung des allgemeinen Wahlrechts und Begrenzung staatlicher Eingriffe.