Rohrleitungs- und Instrumentenfließschema
Unter einem Rohrleitungs- und Instrumentenfließschema (R&I-Fließschema) (engl.: piping and instrumentation diagram, P&ID) wird ein ausführliches Diagramm bzw. Schema in der Anlagen- und Verfahrenstechnik verstanden, welches mithilfe von graphischen Symbolen für Anlagenteile und Rohrleitungen sowie für die Mess-, Steuer- und Regelfunktionen die technische Realisierung eines Verfahrens illustriert.
Das R&I-Fließschema basiert auf dem Verfahrensfließschema und bildet alle Apparate, Maschinen, Fließlinien (Rohrleitungen, Transportwege), Armaturen, und Fittings ab. Diese müssen hierbei nach ISO 10628-2 dargestellt werden. Die Mess-, Steuer- und Regelaufgaben aus der Prozessleittechnik müssen nach IEC 62424 abgebildet werden. R&I-Fließschemata bilden einen wichtigen Teil der vollständigen technischen Unterlagen, die für Planung, Bau, Montage, Verwaltung, Inbetriebnahme, Betrieb, Wartung und Außerbetriebnahme einer Anlage benötigt werden. Zudem dienen R&I-Fließschemata dem Informationsaustausch zwischen den an der Entwicklung, dem Bau, der Montage, dem Betrieb und der Wartung derartiger verfahrenstechnischer Anlagen beteiligten Personen.
Nach der Definition in ISO 10628-1 enthalten R&I-Fließschemata sowohl Grund- als auch Zusatzinformationen. Ein R&I-Fließschema muss mindestens die Grundinformationen enthalten und darf zusätzlich die sogenannten Zusatzinformationen enthalten. Zu den Grundinformationen zählen:
- Funktion und Art der Apparate und Maschinen, einschließlich Antriebsmaschinen, Fördereinrichtungen und installierte Reserve;
- Kennzeichnung der Apparate und Maschinen, einschließlich Antriebsmaschinen;
- kennzeichnende Größen von Apparaten und Maschinen, gegebenenfalls in getrennten Listen;
- Bezeichnung von Nennweite, Druckstufe, Werkstoff und Ausführung der Rohrleitungen, z. B. durch Rohrleitungsnummer und Rohrleitungsklasse oder Kennzeichnungen;
- Angaben zu Apparaten, Maschinen, Rohrleitungen sowie Ventilen und Fittings (Armaturen), z. B. Übergangsstücke (Reduzierstücke), gegebenenfalls in getrennten Listen;
- Symbole für Prozessleittechnikaufgaben, einschließlich Buchstabenschlüssel für Prozessvariablen, Regel- und Steuerfunktionen sowie Bezeichnung der Prozessleittechnikaufgabe;
- kennzeichnende Daten von Antriebsmaschinen, gegebenenfalls in getrennten Listen.
Als Zusatzinformationen kann ein R&I-Fließschema folgende Informationen enthalten:
- Benennung und Durchflüsse bzw. Mengen von Energie oder Energieträgern;
- Fließweg und Fließrichtung von Energien oder Energieträgern;
- Art wichtiger Geräte für Messen, Steuern, Regeln;
- wesentliche Werkstoffe von Apparaten und Maschinen;
- Plattformhöhe und ungefähre relative vertikale Position der Anlageteile;
- Kennzeichnung von Armaturen;
- Benennung von Anlageteilen.
Im Vergleich zum Grundfließ- und Verfahrensfließbild weist das R&I-Fließbild den höchsten Informationsgehalt auf. Das R&I-Fließbild leitet sich direkt aus dem Verfahrensfließschema durch Ergänzung der elektrischen Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik (EMSR-Stellen) ab. Meist wird eine Liste der wichtigsten Apparate (z. B. Behälter, Reaktoren, Destillationskolonnen, Wärmetauscher) mit ihren Kenndaten (z. B. Abmessungen, Betriebsdruck, Betriebstemperatur, zulässige Betriebstemperatur, zulässiger Betriebsdruck etc.) an einer Ecke eingezeichnet.