Rückfallfieber

Klassifikation nach ICD-10
A68 Rückfallfieber
A68.0 Durch Läuse übertragenes Rückfallfieber
Rückfallfieber durch Borrelia recurrentis
A68.1 Durch Zecken übertragenes Rückfallfieber
Rückfallfieber durch jede Borrelienart, ausgenommen durch Borrelia recurrentis
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
1C1J Rückfallfieber
1C1J.0 Durch Zecken übertragenes Rückfallfieber
1C1J.1 Durch Läuse übertragenes Rückfallfieber
1C1J.Z Rückfallfieber, nicht näher bezeichnet
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Unter Rückfallfieber (lateinisch Febris recurrens, englisch relapsing fever, spirillium fever) versteht man zwei von Rückfallfieber-Borrelien verursachte bakterielle Infektionskrankheiten aus der Gruppe der Spirochätosen, die durch mehrmalige Fieberschübe, sogenanntes rekurrentes Fieber, charakterisiert sind. In Deutschland nachgewiesene Rückfallfieber-Fälle sind ausnahmslos seltene, importierte reisemedizinische Erkrankungen, die im deutschen Sprachraum früher nur in Kriegszeiten vorkamen. Zwei nach Erregern und Übertragung unterschiedliche Arten von Rückfallfieber sind bekannt: das seltene, aber dann meist epidemisch vorkommende Läuserückfallfieber (englisch louse-borne relapsing fever, LBRF, hauptsächlicher Erreger ist Borrelia recurrentis) und das Zeckenrückfallfieber, genannt auch Zeckenfieber (englisch tick-borne relapsing fever, TBRF, meist durch Borrelia duttoni verursacht).

Rückfallfieber wird durch Gliederfüßer (Läuse, Zecken) übertragen und gehört damit in die Gruppe der bakteriellen Zoonosen oder Arthropozoonosen (durch Gliederfüßer übertragene Erkrankungen). Zusammen mit der Lyme-Borreliose werden die Rückfallfieber-Erkrankungen den menschlichen Borreliosen zugerechnet und sind voneinander gut abzugrenzen. Läusebisse als Ursache der Infektion mit Rückfallfieber erkannte Osip Osipovič Močutkovskij (1845–1903), der Leiter der Infektionsabteilung am Städtischen Krankenhaus von Odessa. Die Erreger des Rückfallfiebers wurden bereits 1868 von Otto Obermeier (1843–1873) erstmals im Blut von Erkrankten entdeckt. Obermeier teilte dies auf einer Sitzung der Berliner medicinischen Gesellschaft am 26. Februar 1873 öffentlich mit. Damit gilt das Rückfallfieber als erste menschliche Infektionskrankheit, bei der dies gelang. Die Spezies Borrelia recurrentis trug daher zunächst nach ihrem Entdecker den Namen Borrelia obermeieri (zuvor Spirochaeta obermeieri).

Dass das Rückfallfieber durch Blut übertragen werden kann, stellte Gregor N. Münch (1836–1896) 1874 im Selbstversuch fest. Münch war zudem überzeugt davon, dass Insekten die Infektionsträger sind.

  1. J. Stahnke: Ludwik Teichmann (1823–1895). Anatom in Krakau. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 2, 1984, S. 205–267, hier: S. 216.
  2. Otto Obermeier: Die Entdeckung von fadenförmigen Gebilden im Blut von Rückfallfieberkranken. (1873). Eingeleitet und neu herausgegeben von Heinz Zeiss. Unveränderter Nachdruck [deutsche Ausgabe] Barth, Leipzig 1926 (= Klassiker der Medizin. Band 31), S. 26 ff.
  3. Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1960, S. 42.