Raynor Goddard, Baron Goddard
Raynor Goddard, Baron Goddard, GCB, Kt, PC, KC (* 10. April 1877 in London; † 29. Mai 1971 London) war ein britischer Jurist, der besonders für seine harten Urteile sowie seine konservative Haltung bekannt war. Seine Spitznamen waren „Tiger“ und „Justice-in-a-jiffy“ (Urteil im Handumdrehen). 1957 lehnte er sechs Berufungen in einer Stunde ab.
1952 war er verantwortlich für die Verurteilung des neunzehnjährigen Derek Bentley zum Tode. Die anwesende Jury hatte ihn zwar für schuldig befunden, gleichzeitig aber ein außergewöhnliches einstimmiges Gnadengesuch abgegeben, welches Goddard ablehnte. Der Fall gilt als einer der größten Justizirrtümer der britischen Geschichte und löste noch vor der Vollstreckung eine landesweite scharf geführte Debatte über die Todesstrafe aus, die 1965 zum Abolition of Death Penalty Act und damit zur Aussetzung und endgültigen Abschaffung der Todesstrafe im Vereinigten Königreich beitrug. Der Fall Bentley beschäftigte die britische Justiz noch 45 Jahre lang bis zu seiner posthumen Begnadigung im Jahr 1993 (40 Jahre nach seiner Hinrichtung) und schließlich der Aufhebung des Urteils fünf Jahre später. 1991 wurde der Fall mit Christopher Eccleston in der Hauptrolle verfilmt (Regie: Peter Medak), Richter Goddard wurde darin von Michael Gough dargestellt.
- ↑ The Last of the Tiger. In: Time. New York, 1. September 1958.