Requiem (Fauré)

Das Requiem op. 48 von Gabriel Fauré ist eine Komposition für Sopran- und Bariton-Solisten, vier- bis sechsstimmigen Chor und Orchester.

Fauré vollendete die Komposition seines Requiems – seines einzigen größeren Werkes mit einem religiösen Text als Basis – 1887 im Alter von 42 Jahren. Er schrieb das Werk zwischen dem Tod seines Vaters (1885) und dem seiner Mutter (1887), wobei diese Ereignisse laut des Komponisten nicht die Auslöser der Komposition waren. Es wurde erstmals am 16. Januar 1888 in der Pariser La Madeleine zur Jahresgedächtnisfeier des Architekten Joseph-Michel Le Soufaché aufgeführt. Der Chor umfasste dabei nur etwa 30 Sänger (20–25 Knaben und 8–10 Männer), die Instrumentalbesetzung bestand nur aus geteilten Bratschen, Celli, Kontrabass, Solovioline, Harfe, Pauken und Orgel.

Im Laufe der folgenden Jahre erstellte Fauré eine größer besetzte zweite Fassung, bei der u. a. Bläser berücksichtigt sind und die 1893 beendet war.

Große Bekanntheit erreichte Faurés Requiem allerdings in der Version für großes Symphonieorchester. Diese wurde auf Betreiben des Verlegers Julien Hamelle erstellt. Der Verlag lehnte es ab, das Werk in der ursprünglichen Version für Kammerorchester zu publizieren. Es ist bisher nicht gelungen zu klären, inwieweit Fauré in die Erstellung dieser Version impliziert war. Es scheint, dass Jean Roger-Ducasse der Urheber der Orchestrierung für großes Orchester ist. Die Premiere dieser Version fand 1900 anlässlich der Pariser Weltausstellung vor rund 5000 Zuhörern statt. Das Requiem wurde auch bei Faurés Beerdigung (1924) gespielt.

Eine Aufführung dauert etwa 35 Minuten. Die Satzfolge lautet:

  1. Introitus et Kyrie
  2. Offertorium (Domine Jesu Christe)
  3. Sanctus
  4. Pie Jesu
  5. Agnus Dei
  6. Responsorium (Libera me)
  7. In paradisum

Faurés Requiem weicht in mehrerlei Hinsicht von der traditionellen Totenmesse ab. Im Gegensatz zum traditionellen Ablauf der Messe, und insbesondere zu den Kompositionen von Hector Berlioz und Giuseppe Verdi, verzichtet Fauré auf eine dramatisierende Darstellung des Dies irae und beschränkt sich auf die Vertonung von dessen letztem Vers, dem Pie Jesu. Dagegen fügte er das In paradisum aus den Exequien hinzu, das traditionell bei der Überführung des Leichnams von der Kirche zum Friedhof erklingt. Insgesamt war es Fauré ein Anliegen, ein friedvolles Bild des Todes zu zeichnen. In vielen Passagen gleiten Moll-Klänge von Chor und Orchester in stimmungsvolle Dur-Akkorde und lassen tröstend das Himmelreich erahnen.

  1. Dallas Kern Holoman: Nineteeth-century Choral Music. Routledge, New York, London 2013, ISBN 978-0-415-98852-0, Selected Masterworks from the Choral-Orchestral Repertoire - Fauré, Requiem, S. 69 - 75 (google.fr Holoman weist auf zahlreiche Fehler sowohl bei den Noten als auch in der Bogenführung der Streicher hin. Das ist unwahrscheinlich, dass Fauré solche Fehler gemacht hat.).
  2. Michael Stegemann, Olaf Wilhelmer: Tod ohne Stachel – Das Requiem von Gabriel Fauré. Deutschlandradio, 6. April 2012, abgerufen am 5. Mai 2012.