Rheinlandbesetzung (1936)

Als Rheinlandbesetzung oder Remilitarisierung des Rheinlandes, in der NS-Propaganda „Rheinlandbefreiung“, wird die Stationierung von Truppenteilen der Wehrmacht in dem aufgrund des Friedensvertrags von Versailles entmilitarisierten Rheinland am 7. März 1936 bezeichnet.

Die Ratifizierung des französisch-sowjetischen Beistandsvertrages am 27. Februar 1936 in der französischen Nationalversammlung nutzte Adolf Hitler als Vorwand und ließ die entmilitarisierte Zone im Rheinland besetzen, um die Versailler Vertragsbestimmungen weiter zu revidieren und seine militärische Position für seine zukünftigen Pläne weiter auszubauen. Die Besetzung hatte erhebliche negative Folgen für Deutschland. Stellte sie doch im Zusammenhang mit dem 1935 erlassenen Wehrgesetz eine deutliche Missachtung der seit dem Ersten Weltkrieg erreichten Friedenssituation in Europa und einen offenen Vertrauensbruch gegenüber seinen unmittelbaren Nachbarländern dar. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, allen voran Großbritannien, ließen sich auch nicht durch die deutschen Friedensbeteuerungen ruhigstellen. Hauptsächlich durch die Passivität Frankreichs und das offene Stillhalten Großbritanniens wurde damit eine der letzten Gelegenheiten verpasst, die Eroberungspläne des Diktators, allein durch entschiedenes Auftreten rechtzeitig zu durchkreuzen. Für Adolf Hitler war es ein wichtiger Test, wie weit er bereits seine politische Stellung ausreizen kann, denn noch im gleichen Monat forderte er in Breslau eine Neuordnung Europas.

Die im März 1936 als „Volksabstimmung“ propagierte und als Scheinwahl organisierte Reichstagswahl diente dem NS-Regime, die Rheinlandbesetzung als nachträglich durch das Volk legitimiert darzustellen.

Hitler soll mehrfach – sogar noch während des Krieges – geäußert haben, die 48 Stunden nach dem Einmarsch seien die aufregendste Zeitspanne seines Lebens gewesen. „Wären die Franzosen damals ins Rheinland eingerückt, hätten wir uns mit Schimpf und Schande wieder zurückziehen müssen“, da die militärische Stärke nicht einmal „zu einem mäßigen Widerstand ausgereicht“ hätte.

  1. Heinz Bergschicker, Deutsche Chronik 1933-1945, Berlin 1967, S. 134
  2. Hans-Ulrich Thamer: Der Weg in den Krieg Bundeszentrale für politische Bildung vom 6. April 2005
  3. Paul-Otto Schmidt: Statist auf diplomatischer Bühne 1923–1945. Erlebnisse des Chefdolmetschers im Auswärtigen Amt mit den Staatsmännern Europas. Von Stresemann und Briand bis Hitler, Chamberlain und Molotow. Athenäum, Bonn 1949. Neuauflage: EVA, München 2005, ISBN 3-434-50591-1, S. 320 (nach 10. Auflage 1964).