Rheinromantik
Die Rheinromantik ist eine um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstandene, schwärmerisch-romantische Sichtweise von Landschaft und Kultur am Rhein, vor allem des Mittelrheintals zwischen Mainz und Köln. Sie erreichte um 1900 ihren Höhepunkt und beflügelt bis heute den Tourismus im Rheinland.
Die spezielle rheinische Form der Romantik fand ihren Ausdruck in allen Kunstgattungen: in Literatur und Musik, insbesondere der Lied-Dichtung ebenso wie in Malerei und Architektur. Sie thematisiert einerseits die zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch als wild und schroff empfundene Natur des engen Flusstals, andererseits die als heiter wahrgenommenen Weinberge und das reiche kulturhistorische Erbe der Region, mit seinen Sagenstoffen und seinen zahlreichen mittelalterlichen Städten und Burgen. Der durch Rationalismus und die Industrialisierung geprägten Moderne setzte sie eine weitgehend verklärte, vermeintlich heile Vergangenheit entgegen und trug seit der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen zur Herausbildung sowohl einer rheinischen Identität und des Bewusstseins für die rheinische Landschaft als auch eines gesamtdeutschen Nationalbewusstseins bei. Mit diesem legitimierte Preußen, zu dem seit 1815 der größte Teil der Rheinlande gehörte, seinen Herrschaftsanspruch als „Wacht am Rhein“.
- ↑ Hans Heinrich Blotevogel: „Rheinische Landschaft“ – zur geographischen Konstruktion des Rheinlands 1790–1945. Manuskript (April 2001), S. 6; Abdruck in: Gunter E. Grimm, Bernd Kortländer (Hrsg.): Rheinisch – zum Selbstverständnis einer Region. Metzler-Verlag, Stuttgart/Weimar 2001, ISBN 3-47601-843-1 (PDF)