Richard Wagner und der Antisemitismus

Richard Wagners Antisemitismus ist ein Gegenstand der Wagner-Forschung. Mit seiner Schrift Das Judenthum in der Musik sowie weiteren Essays und Äußerungen ging Richard Wagner in die Geschichte des Antisemitismus ein.

Ausgehend von Adolf Hitlers Wagner-Verehrung wurde das musikdramatische Œuvre Wagners in der Zeit des Nationalsozialismus zum Staatskult erhoben und diente der Ästhetisierung und weihevollen Überhöhung der Politik. Der Antisemitismus Richard Wagners und der Missbrauch seiner Werke während der NS-Zeit sind wesentliche Gründe dafür, dass der Komponist bis in die Gegenwart umstritten bleibt und sich an ihm die Geister scheiden.

Im Laufe seines Lebens äußerte sich Wagner oft wechselhaft und widersprüchlich über jüdische Künstler. So setzte er sich zunächst für Heinrich Heine ein, dessen Einfluss auf seine Werke vom Liebesverbot bis zum Parsifal nachweisbar ist. Später verleugnete er diese Spuren und ging in seiner Autobiografie Mein Leben nicht mehr auf ihn ein. Schon zu Lebzeiten Wagners setzten sich jüdische Interpreten für ihn ein, obwohl ihnen sein Antisemitismus bekannt war. Nach Wagners Tod wurde seine Musik weiterhin von Juden aufgeführt. Zu ihnen gehörten Hermann Levi, der die Uraufführung des Parsifal dirigierte, Angelo Neumann, Joseph Rubinstein, Gustav Mahler, Bruno Walter und Leonard Bernstein. Da Wagner in Israel umstritten ist, kommt es regelmäßig zu Auseinandersetzungen, wenn Dirigenten wie Zubin Mehta und Daniel Barenboim dort seine Musik aufführen.

In keinem Bereich der Wagner-Forschung finden sich so umfangreiche und teils widersprüchliche Beurteilungen wie hier. So wird nach Kontinuitäten gefragt und überlegt, ob und inwieweit Wagners Vorstellungen Hitler beeinflussten oder den Nationalsozialismus vorwegnahmen. Wagners Konzept der Erlösung, das auch Friedrich Nietzsche kritisierte, wird ebenso untersucht wie mögliche Rivalitäten gegenüber einflussreichen Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy sowie dem Förderer Giacomo Meyerbeer. Ob sich Wagners Antisemitismus in seinen Musikdramen niedergeschlagen hat, wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt.