Ronggeng

Ronggeng, indonesisch (tari) ronggeng, javanisch ronggéng, ist eine in Indonesien und auf der Malaiischen Halbinsel verbreitete populäre Tanzaufführung, bei der eine oder mehrere professionelle Tänzerinnen, die häufig auch singen und ebenfalls ronggeng (oder penari ronggeng, „Ronggeng-Tänzerin“) genannt werden, gegen Bezahlung mit Männern aus dem Publikum tanzen. Die in der traditionellen Form grazil-zurückhaltend tanzenden Frauen erwecken einen flirtenden, einladenden Anschein, während die Männer mit ausgreifenden Tanzbewegungen verliebt oder verlangend tun. Die seit Jahrhunderten in den Dörfern vor allem bei Hochzeiten beliebten Tänze werden mit Fruchtbarkeitskulten im Jahreszyklus assoziiert. Die zur dörflichen Unterhaltungskultur und die zur höfischen städtischen Kultur auf Java gehörenden Tänzerinnen waren bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts auch als Prostituierte bekannt. Die heutigen Tanzformen entstanden im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Sie wurden im Zuge einer zunehmenden Islamisierung von als unmoralisch geltenden Begleiterscheinungen gereinigt und zu choreografierten Bühnentänzen ohne Zuschauerbeteiligung umgewandelt. Die Tanzstile und ihre Musikensembles unterscheiden sich nach Region und der sozialen Klasse.

  • Ronggeng ist die hauptsächlich in Westjava, auf Sumatra und in Westmalaysia gebräuchliche Bezeichnung.
  • Tayuban oder tayub sind auf der Insel Java höfische Tanzaufführungen in den Kratons, die von einem vollständigen Gamelan begleitet werden. Die früher in den Palästen lebenden Tänzerinnen waren auch als Prostituierte für die Aristokraten tätig und galten deshalb nicht als respektierte Bürgerinnen, hatten aber einen höheren Sozialstatus als die im Land umherziehenden Tänzerinnen.
  • Tayuban heißen auch Tänze, die in ländlichen Regionen Javas als alte javanische Fruchtbarkeitszeremonien verstanden und bis heute bei Familienfeiern und Dorffesten zur Unterhaltung veranstaltet werden.
  • Taledhek oder talèdhèk, auch tledhek (in Zentral- und Ostjava), ledhek, kledhek und lengger (im Regierungsbezirk Banyumas und Umgebung) sind javanische Bezeichnungen für die (erotischen) Tänzerinnen.
  • Ketuk tilu ist ein kleines Ensemble, das in Westjava zur Tradition der dörflichen ronggeng-Aufführungen bei Familienfeiern gehört und aus einer Trommel kendang, drei kleinen Buckelgongs ketuk und einer Streichlaute rebab oder seltener einer Kegeloboe tarompet besteht.
  • Jaipoingan ist ein populärer Tanzmusikstil, der in den 1970er Jahren in Westjava aus dem ronggeng entstand.
  • Cokek ist der von einem Ensemble gambang kromong begleitete Tanz der chinesisch-indonesischen Bevölkerungsgruppe um Jakarta.
  • Gambyong ist ein um Surakarta im Verlauf des 20. Jahrhunderts aus dem tayuban hervorgegangener klassischer Tanzstil, der sich von seiner sozialen Herkunft entfernt hat.
  • Gandrung als Bezeichnung für Tanzstil und Tänzerin vor allem um Banyuwangi in Ostjava, auf Bali und Lombok hat die erotische Konnotation des ronggeng-Tanzes.
  • Joged, der von den Bambusinstrumenten des gamelan joged bumbung begleitet wird, ist die balinesische Variante des Tanzes.
  • Ronggeng pasaman ist eine Variante des ronggeng im Regierungsbezirk Pasaman der Provinz Westsumatra, der den gesungenen Vortrag von Pantun-Versen einschließt.
  • Joget oder ronggeng wurde auf der Malaiischen Halbinsel einschließlich Singapur ebenfalls von gesungenen Pantun-Versen begleitet. Das traditionelle Musikensemble auf der Malaiischen Halbinsel besteht aus Violine, der Rahmentrommel rebana, Gongs und Akkordeon.
  • Canggung, früher changgong, heißt die Tanztradition im nordwestlichsten malaysischen Bundesstaat Perlis.
  • Rong ngeng oder tanyong sind Formen von ronggeng, die sich ab den 1930er Jahren in Südthailand und auf vorgelagerten Inseln an der Westküste in der Andamanensee verbreitet haben, bis die meisten nach der Mitte des 20. Jahrhunderts durch andere Unterhaltungsformen und eine zunehmende Islamisierung zurückgedrängt wurden.