Rudolf-Virchow-Vorlesung

Mit der Rudolf-Virchow-Vorlesung wurden zwischen 1987 und 2016 jährlich namhafte Forscherpersönlichkeiten der alt- und mittelsteinzeitlichen Archäologie geehrt. Der Preis ist nach Rudolf Virchow benannt. Die Preisvergabe erfolgte durch den Forschungsbereich Altsteinzeit (seit 2012: Monrepos Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution) des Römisch-Germanischen Zentralmuseums mit Sitz auf Schloss Monrepos (Neuwied), der sich Virchows Arbeitsweise besonders verbunden fühlt.

Der Mediziner, Archäologe und Politiker Rudolf Virchow (1821–1902) begründete die naturwissenschaftlich geprägte interdisziplinäre Archäologie. Anthropologie, Zoologie, Botanik, Geologie und Chemie erhielten durch ihn einen festen Platz in der archäologischen Forschung. Gleichzeitig engagierte sich der liberale Märzrevolutionär in der Sozialpolitik, er stellte sich gegen die Kolonialpolitik und antisemitische Tendenzen.

Rudolf Virchow setzte sich als langjähriges Mitglied des Gesamtvorstandes des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz erfolgreich für dessen Unabhängigkeit ein. Seine naturwissenschaftlich geprägte, ganzheitliche, innovative Forschungsweise, sein gesellschaftliches Engagement und seine freiheitliche Grundüberzeugung sind Vorbild für die moderne Archäologie.

Der öffentliche Rudolf-Virchow-Vortrag fand jeweils im Schlosstheater Neuwied statt. Um neue Forschungsergebnisse einem breiten Publikum zugänglich und verständlich zu machen, wurde er stets auf Deutsch vorgetragen.

Die Rudolf-Virchow-Vorlesung war eine der ältesten öffentlichen Vorlesungsreihen zur Archäologie der Altsteinzeit in Deutschland. Die Vorlesungen wurden bis 2002 als Aufsätze im Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums veröffentlicht.

  1. K. D. Adam: Zweite Rudolf Virchow-Vorlesung 1988 „Der Urmensch von Steinheim an der Murr und seine Umwelt. Ein Lebensbild aus der Zeit vor einer viertel Million Jahren.“ Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 35, 1988, 3-23.
  2. Avraham Ronen: Vierte Rudolf Virchow-Vorlesung 1990 „Neandertaler und früher Homo sapiens im Nahen Osten“ Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 37, 1990, 3-17.
  3. Gerhard Bosinski: Sechste Rudolf Virchow-Vorlesung 1992 „Die ersten Menschen in Eurasien“ Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 39, 1992, 131-181.
  4. Wil Roebroeks: Siebte Rudolf Virchow-Vorlesung 1993 „Das Bild vom Urmenschen im Wandel der Zeit: Zur Geschichte der heutigen Auffassung und Auseinandersetzungen in der Urgeschichtsforschung!“ Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 40, 1993, 1-25.
  5. Akira Ono: Achte Rudolf Virchow-Vorlesung 1994 „Die Altsteinzeit in Japan“ Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 42, 1995, 1-17.
  6. Karel Valoch: Zwölfte Rudolf Virchow-Vorlesung 1998 "Das Magdalénien in Mähren. 130 Jahre Forschung. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 48, 101-159.
  7. Pablo Arias: Dreizehnte Rudolf Virchow-Vorlesung 1999 „La Garma (Kantabrien/Spanien). Eiszeitliche Wandkunst und Wohnplätze in einer verschlossenen Höhle.“ Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 46, 1-20.
  8. Bernhard Gramsch: Vierzehnte Rudolf Virchow-Vorlesung 2000 Friesack: Letzte Jäger und Sammler in Brandenburg in: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 47, 51-96.
  9. Michael Baales: Sechzehnte Rudolf Virchow-Vorlesung 2002 „Vulkanismus und Archäologie des Eiszeitalters am Mittelrhein. Die Forschungsergebnisse der letzten dreissig Jahre“. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 49, 2002, 41-80.