SS-Totenkopfverbände

SS-Totenkopfverbände (SS-TV), ursprünglich als SS-Wachverbände und später unter den Bezeichnungen SS-Totenkopf-Wachsturmbanne und SS-Totenkopf-Standarten bekannt, waren besondere, kasernierte Teile der Schutzstaffel (SS), die explizit für die bewaffnete Bewachung und den Betrieb der Konzentrationslager aufgestellt wurden.

In dieser Funktion waren die SS-Totenkopfverbände ein zentrales Machtinstrument der NSDAP zur Unterdrückung und Beseitigung politischer Gegner, zur Ausbeutung durch Zwangsarbeit, zu medizinischen Menschenversuchen und zur Internierung von Kriegsgefangenen.

In den Vernichtungslagern im besetzten Polen und Weißrussland waren die SS-Totenkopfverbände im Rahmen der sogenannten „Aktion Reinhardt“ speziell für den Massenmord an Juden aus ganz Europa und weiteren von den Nationalsozialisten verfolgten Personengruppen verantwortlich.

Anfangs spielte das Konzentrationslager Dachau bei München unter dem Kommandanten Theodor Eicke eine wichtige Rolle als Ausbildungsstätte der SS-Totenkopfverbände. Die SS-Männer lebten ursprünglich im Umfeld der Stadt Dachau und wurden im November 1935 auf dem Kasernengelände des SS-Übungslagers Dachau (damalige Anschrift: SS-Kaserne, Übungslager Dachau b. München) untergebracht.

Am 10. Dezember 1934 wurde von Himmler die Inspektion der Konzentrationslager (IKL) gebildet; als Dienststelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) wurde sie eine staatliche Einrichtung, die zur Zentrale aller KZ-Verbände wurde. Eicke entwickelte in kurzer Zeit das „Dachauer Modell“: Es lässt sich „als Versuch beschreiben, den Terror zu systematisieren und zu zentralisieren“.

Die frühen Konzentrationslager waren regional sehr unterschiedlich, von einem großen Maß an Improvisation geprägt, und die Öffentlichkeit war durch Presseberichte zumindest teilweise über die Zustände in den Lagern informiert. Eicke erließ im Oktober 1933 die „Disziplinar- und Strafordnung für das Gefangenenlager“ und eine Dienstvorschrift für Wachposten. Diesen wurde damit Straffreiheit zugesichert, wenn sie einen KZ-Häftling bei einem Fluchtversuch erschossen. Durch die strikte Unterbindung von Fluchtversuchen schottete Eicke das Verhalten dieser Gewalttäter im Lager nach außen sowohl gegen die Strafjustiz als auch gegen die Öffentlichkeit ab.

Zwischen 1935 und 1937 reorganisierte Eicke im Auftrag Heinrich Himmlers die der IKL unterstellten Konzentrationslager. Alle vorhandenen kleineren Lager wurden aufgelöst. Einzige Ausnahme war das KZ Dachau, das im Sommer 1937 erheblich erweitert wurde. Anstelle der aufgelösten, in vorhandenen Gebäuden untergebrachten Lager entstanden zwei große Neubauten, denen Kasernen der SS-Wachverbände angegliedert waren. Im Sommer 1936 wurde das KZ Sachsenhausen bei Oranienburg eröffnet. Im Sommer 1937 wurde das KZ Buchenwald in der Nähe von Weimar errichtet. Mit Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald gab es Ende 1937 drei große Lager für insgesamt 15.000 bis 20.000 Häftlinge.

Ab 1937 konzentrierte sich Eicke auf seine Funktion als „Führer der SS-Totenkopfverbände“, seine Aufgaben in der IKL übernahm schrittweise Richard Glücks. Die SS-Totenkopfverbände wurden neu in SS-Totenkopf-Wachsturmbanne und SS-Totenkopf-Standarten organisiert. So hießen die neu aufgestellten Totenkopfstandarten VI–XVI (einschließlich ihrer Reserveeinheiten) offiziell auch Verstärkte SS-Totenkopfstandarten (Polizeireserve).

  1. Hilde Kammer, Elisabet Bartsch: Jugendlexikon Nationalsozialismus. Begriffe aus der Zeit der Gewaltherrschaft 1933–1945, Eintrag „SS-Totenkopfverbände“, S. 206–208.
  2. Anschriften-Verzeichnis der SS-Dienststellen, Stand vom 1. Oktober 1937, S. 8.
  3. das Zitat bei: Karin Orth, System, S. 28. Zu den Einzelheiten des „Dachauer Modells“, ebenda, S. 28 ff., S. 40; Johannes Tuchel, Konzentrationslager, S. 143–150.
  4. Johannes Tuchel, Konzentrationslager, S. 315–342.