Sabina von Steinbach
Sabina von Steinbach war (der Legende nach) eine Steinmetzin der Gotik. Angeblich wurde sie im 13. Jahrhundert als Tochter des Baumeisters am Straßburger Münster Erwin von Steinbach geboren. Als nach dem Tod des Vaters ihr Bruder Johann von 1318 bis 1339 den Bau des Turmes fortsetzte, soll auch Sabina selbst dabei tätig gewesen sein und Bildhauerarbeiten an dem Portal angefertigt haben.
In den überlieferten Statuten von Dombauhütten des Mittelalters finden Frauen keine Erwähnung. Dies könnte darauf hindeuten, dass ein Zugang zum Beruf des Steinmetz oder Baumeisters nicht grundsätzlich verwehrt wurde. Eine breite Ausübung dieser Berufe durch Frauen gilt jedoch als äußerst unwahrscheinlich. Die traditionelle Annahme, dass Sabina trotzdem in diesem Sinne arbeiten konnte, geht auf eine zuerst 1617 von Schadaeus herausgegebene Beschreibung des Straßburger Münsters zurück, die eine heute verlorene Inschrift mit dem Namen SAVINA abbildet. Auf dem Kupferstich hält eine der Apostelfiguren des Südportals ein Schriftband mit der Inschrift GRATIA DIVINAE PIETATIS ADESTO SAVINAE DE PETRA DURA PER QUAM SUM FACTA FIGURA; übersetzt: Die Gnade der göttlichen Güte stehe Savina bei, durch die ich Figur aus hartem Stein gemacht bin. Die Apostelfiguren des Portals wurden in der Französischen Revolution zerstört, die Inschrift ist seither verloren. Obwohl die Inschrift sich auf die Apostelfigur bezieht, wurde Sabina später das künstlerisch herausragende Figurenpaar von Ecclesia und Synagoge am Südportal zugeschrieben. Im Volksmund galt die Synagoge als ihr Selbstbildnis. Zudem wurde ein Bezug zu Meister Erwin von Steinbach hergestellt, verstärkt durch die irrtümliche Lesung der Inschriftpassage SAVINAE DE PETRA DURA als Vor- und Nachname der Savina, der verfälschend mit Sabina von Steinbach übersetzt wurde. Tatsächlich bezieht sich das DE PETRA DURA auf das Wort FIGURA. Zudem entstanden die Figuren der Apostel und der Ekklesia und Synagoge um 1225 (siehe Ekklesiameister), also ein halbes Jahrhundert vor dem Auftreten Meister Erwins. Angesichts der Tatsache, dass es im 13. Jahrhundert keine Nachweise über weibliche Steinmetzen gibt, erscheint es möglich, dass SAVINA die Stifterin, nicht die Herstellerin der Figur war. Bezeichnungen wie „hat mich gemacht“ (ME FECIT) in Inschriften an mittelalterlichen Kunstwerken können sich sowohl auf den Hersteller (Künstler) als auch auf den Stifter beziehen.
- ↑ so z. B. „Stras(s)burg“, In: Pierer’s Universal-Lexikon. Band 16. Altenburg 1863, S. 903–905
- ↑ in Reiselaune: Sabina von Steinbach - Mythos oder Wahrheit? In: In Reiselaune. 18. Juni 2021, abgerufen am 1. Juni 2025.
- ↑ O(seas) Schadaeus: Summum Argentoratensivm Templum: Das ist: Außführliche vn[d] Eigendtliche Beschreibung deß viel Künstichen, sehr Kostbaren, vnd in aller Welt berühmten Münsters zu Strassburg. Strassburg 1617 online
- ↑ s. a. J. Schauberg: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei mit besonderer Rücksicht auf die Mythologieen und Mysterien des Alterthums - Allgemeine innere und äussere Geschichte der Bauhütte. Band 3, Zürich 1863, S. 401–405
- ↑ Leslie Ross: Artists of the Middle Ages. Westport 2003, S. 152 (englisch)
- ↑ Alfred Woltmann: Geschichte der deutschen Kunst im Elsass. Leipzig 1876, S. 153
- ↑ Georg Mitscher: Zur Baugeschichte des Straßburger Münsters, Straßburg 1876, S. 39–40.