Sangkum Reastr Niyum

Sangkum Reastr Niyum (Khmer សង្គមរាស្រ្តនិយម, Aussprache [sɑŋkʊm rieh niʔjʊm], „Populistische Gesellschaft“), kurz Sangkhum (Khmer សង្គម „Gesellschaft“) war eine politische Partei in Kambodscha, welche 1955 vom Prinzen Norodom Sihanouk gegründet wurde und bis zu seinem Sturz 1970 die absolute Mehrheit im kambodschanischen Parlament stellte.

Sie wurde 1955 von Prinz Sihanouk, dem damaligen König des Landes, gegründet, um ihm die Teilnahme an den Parlamentswahlen zu ermöglichen. Trotz ihrer parteiartigen Struktur und Funktion bezeichnete Sihanouk die Sangkum nicht als Partei, sondern als Bewegung. Auf Französisch lautete der Name „Communauté socialiste populaire“, auf Deutsch wird sie „Sozialistische Volksgemeinschaft“ oder „Volkssozialistische Gemeinschaft“ genannt. Die Bewegung setzte sich aus Mitgliedern von vier kleineren Parteien zusammen. Bereits 1955 hatte sie über 450.000 Mitglieder und übernahm zwischen 1955 und 1970 quasi die Alleinherrschaft über das Land.

Nach der Parlamentswahl 1966 brachen Flügelkämpfe innerhalb der Sangkum aus. Während der rechte Flügel um Lon Nol und Sisowath Sirik Matak ein Ende des „Khmer-Sozialismus“ forderte, strebte der linke Flügel um Hou Yuon, Khieu Samphan und Hu Nim (Studienfreunde von Pol Pot und später führende Funktionäre der „Roten Khmer“) weitergehende Verstaatlichungen an. Nach dem Sturz Sihanouks 1970 durch Lon Nol wurde die Bewegung 1971 offiziell aufgelöst.

  1. Sangkum (សង្គម) bedeutet „Gesellschaft“, Reastr (រាស្រ្ត) „Volk“ und Niyum (និយម) entspricht der Endung „-ismus“.
  2. Boraden Nhem: The Khmer Rouge. Ideology, Militarism, and the Revolution That Consumed a Generation. Praeger, Santa Barbara u. a. 2013, S. 4.
  3. 1 2 Sam Samnang: Politisches System und politische Konflikte in Kambodscha seit dem Ende des 19. Jahrhunderts – einige Entwicklungslinien. In: Diethelm Weidemann, Wilfried Lulei (Hrsg.): Kambodscha. Innere und äußere Aspekte einer Konfliktregelung. Centaurus Verlag, Pfaffenweiler 1998, S. 99–121, hier S. 110.
  4. Bernd Stöver: Geschichte Kambodschas. Von Angkor bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 2015.
  5. Karl-Heinz Golzio: Geschichte Kambodschas. C.H. Beck, München 2003, S. 137.
  6. Phalvorum Chhim: Politische Entwicklungen in Kambodscha seit Oktober 1991 Probleme des Friedensprozesses. In: Diethelm Weidemann, Wilfried Lulei (Hrsg.): Kambodscha. Innere und äußere Aspekte einer Konfliktregelung. Centaurus Verlag, Pfaffenweiler 1998, S. 99–121, hier S. 110.