Scharfenbergkupplung
Die Scharfenbergkupplung, kurz und Wortmarke Schaku, ist eine starre Mittelpufferkupplung für Schienenfahrzeuge. Sie ermöglicht ein selbsttätiges Kuppeln sowie ein einfaches und vor allem sicheres Entkuppeln von Schienenfahrzeugen. Entwickelt wurde sie von Karl Scharfenberg in der Waggonfabrik Steinfurt in Königsberg, der 1904 und 1907 darauf Patente erhielt.
Geometrisch liegt die Kupplung etwa 1 Meter hoch über den Schienen seitenmittig etwas vor der Fahrzeugfront. Charakteristisch für die Schaku ist eine rechteckige Stoßplatte (doppelt so breit wie hoch, vertikal quer zur Fahrzeugachse stehend) mit einem nach außen vorstehenden Kegel und knapp daneben der konkave Trichter, der den Kegel des Gegenfahrzeugs aufnehmen kann. In der Ansicht der Fahrzeugfront liegt der Kegel links und der Trichter knapp rechts davon. (Vom Fahrzeug aus axial nach draußen ("nach vorne") gesehen liegt der Kegel rechts.) Bei genauerer Betrachtung hat der Kegel nahe der Spitze eine Ausbuchtung, nahe seiner Basis eine etwa zylindrische Passfläche. Der Trichter ist zur Aufnahme gegengleich ausgeformt. In der Frontalansicht etwas rechts der Mitte, knapp unterhalb der Rechteckplatte ragt ein leicht konisches Aufnahmehorn nach vorne und knickt nach einem Stück schräg nach außen/unten ab. Die Hörner eines Kupplungspaares führen die Kupplungshälften zusammen, bevor und damit die Kegel und Trichter paarweise innereinander greifen können.
Heute sind Scharfenbergkupplungen weltweit in Zügen des Personenverkehrs aller Art im Einsatz, von Straßenbahnen bis zu Hochgeschwindigkeitszügen, und bei vielen Eisenbahnen zu finden. Im Jahr 2002 wurde die Automatische Kupplung Typ 10, auch bekannt als „Automatische Scharfenberg-Kupplung Typ 10“, in Europa zum Standard für Hochgeschwindigkeitszüge erklärt und ist heute Bestandteil der Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI). „Scharfenberg“ und „Schaku“ sind eingetragene Markenzeichen der Voith Patent GmbH. Das damit verbundene technische Funktionsprinzip ist hingegen nicht patentrechtlich geschützt und in der Euronorm EN 16019 festgelegt, weshalb gleichwertige automatische Kupplungen vom Typ 10 verschiedener Hersteller verwendet werden können.
- ↑ Scharfenberg-Kupplung. In: Lexikon Eisenbahn. 6., bearbeitete und ergänzte Auflage. Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1981, S. 660 f.
- ↑ Patent DE149727C: Mittelbufferkupplunk mit Öse und drehbarem Haken als Kuppelglieder. Angemeldet am 6. Mai 1903, veröffentlicht am 18. März 1904, Erfinder: Karl Wilh. Heinr. Friedr. Scharfenberg.
- ↑ Patent DE188845C: Eisenbahn-Mittelpufferkupplung mit doppelt angeordneter Öse und drehbarem Haken. Angemeldet am 5. April 1906, veröffentlicht am 6. August 1907, Anmelder: Karl Wilh. Heinr. Friedr. Scharfenberg.
- 1 2 3 Norm DIN EN 16019:2014-06 Bahnanwendungen – Automatische Kupplung – Leistungsanforderungen, spezifische Schnittstellengeometrie und Prüfverfahren
- ↑ WIPO Madrid Monitor. Abgerufen am 6. Mai 2025.
- ↑ WIPO Madrid Monitor. Abgerufen am 6. Mai 2025.