Scherenbrille
| Scherenbrille | |
|---|---|
| Kategorien | faltbare Brillen, Vorhaltebrillen |
| Zeit | 18. bis 19. Jh. |
| Region | westliches Europa |
| Vorgänger | gestieltes Einglas, Nietbrille |
| Nachfolger | Lorgnette |
Die Scherenbrille (auch Gabelbrille) war eine von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchliche Brillenform zum manuellen Vorhalten; sie bildet den Übergang des gestielten Einglases hin zur binokularen Lorgnette. Ebenfalls war die Scherenbrille Nachfolger der auch teilweise vorhaltend genutzten Niet- und Bügelbrillen. Vorgänger waren somit alle seit dem 13. Jahrhundert zum Vorhalten benutzten Brillenarten. Obwohl es bereits verschiedene Arten von Nasenklemmern und auch die Ohrenbrille mit festem Sitz am Kopf gab, bestand weiterhin ein Bedürfnis nach Brillen für eine nur kurzfristige Nutzung und, der Eitelkeit geschuldet, ein möglichst leichtes und schnelles verbergen. Zudem gab es in der Zeit um 1800 noch Augenärzte, die vom dauerhaften Brille tragen abrieten. Der Vorteil einer Scherenbrille lag im kurzzeitigen Benutzen und dem anschließenden verkleinern und schnellen Verbergen durch Zusammenklappen der Stiele. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es mit der Lorgnette einen nun seitlich gehaltenen Nachfolger.
Scherenbrille bezeichnet alle Brillen, bei denen die Stiele der gefassten Gläser die Nase umgreifen, nach unten konvergieren und sich unter der Nase zu einem Griff vereinigen. Die Scherenbrille hielt man, im Gegensatz zur Nietbrille, von unten vor die Augen. Eine beliebte Variante der Scherenbrille hat ein integriertes Etui als Haltegriff und ähnelt aufgeklappt der Form einer Schere, was der Brille den Namen gab. Verwendete Materialien waren Eisen, Messing, Nickel, Horn, Schildpatt, Elfenbein oder Perlmutt. Besonders edle Modelle waren versilbert, vergoldet, komplett aus Silber oder Goldlegierungen. Während schlichte Modelle ohne kunstvolles Decor auf alten zeithistorischen Darstellungen überwiegen, dominieren in heutigen Brillensammlungen die edlen Varianten.
Scherenbrillen wurden erstmals um 1750 in Deutschland hergestellt. Der Leipziger Universitäts-Optiker und -Mechaniker Samuel Gottlieb Hoffmann (1726–1801) bewarb und verkaufte diverse Scherenbrillengestelle. Im Jahr 1780 beantragte und erhielt der Londoner Optiker George Adams ein Patent für eine Scherenbrille. Scherenbrillen waren besonders in Frankreich, aber auch in Deutschland, den Niederlanden und England beliebt. Überliefert ist, dass Johann Wolfgang von Goethe, Christoph Martin Wieland und auch Jérôme Bonaparte Scherenbrillen besaßen. (Quellen: )
- ↑ P. J. van Maanen: Over het gebruik van brillen en oogglazen. 1798 Rotterdam, 1. + 2. Kapitel
- ↑ G. J. Beer: Das Auge. Wien 1813, S. 96–125.
- ↑ Vgl. Beispiel im Bayerischen Nationalmuseum, abgerufen am 1. November 2025.
- ↑ 1948, O.Henker / H.Pistor, Der Augenoptiker, Band III, Seite 359–361
- ↑ Louise Stutterheim, Bril - Het sieraad voor je gezicht
- ↑ 2001, Anja Kreßner, Geschichte der Weiser, Lünetten und Nasenquetscher
- ↑ Hans-Walter Roth, Zur Geschichte Von Auge Und Sehen
- ↑ 1904, E.H. Oppenheimer, Theorie-und-Praxis-der-Augengläser, Seite 98
- ↑ 1989, Frank Rossi, Die Brille, Geschichte der Sehhilfen
- ↑ 1913, Richard Greeff, Die historische Entwicklung der Brille