Scherzi (Chopin)

Die vier Scherzi Frédéric Chopins gehören zu seinen bedeutendsten Klavierwerken. Mit ihnen schuf er eine virtuose Bekenntnismusik, die mit ihrem raschen Tempo und den zahlreichen pianistischen Herausforderungen sehr hohe Anforderungen an die Pianisten stellt.

Die Scherzi können – wie seine Balladen – als eine Gattungsneugründung betrachtet werden. Chopin übernahm den Beethovenschen Satztypus mit dem schnellen 3/4-Takt, der dreiteiligen ABA-Form und dem Trio-Mittelteil, der an die Stelle des Menuetts getreten war, und verselbständigte ihn.

Von diesen formalen Gemeinsamkeiten abgesehen unterscheiden sich die ersten drei Scherzi von den Vorbildern Beethovens diametral, indem sie mit ihrer extremen Ausdruckshaltung und der hochgespannten Dramatik den ursprünglichen Charakter geradezu ins Gegenteil verkehren. Anders als die formal ungebundeneren, eher narrativen Balladen, die mit dem Themendualismus Elemente des Sonatenhauptsatzes aufgreifen, sowie Variations- und Rondoformen aufweisen, ist die eigentliche Verarbeitung des Materials in den Scherzi gegenüber einer Motiv-Reihung zurückgenommen.

  1. Chopin, Fryderyk Franciszek, in: Komponisten-Lexikon, Metzler, Stuttgart 2003, S. 129