Scheunenviertel (Berlin)

Das Scheunenviertel in Berlin-Mitte nordwestlich des Alexanderplatzes ist der umgangssprachliche Name für ein Stadtviertel räumlich diffuser Ausbreitung, es war im frühen 20. Jahrhundert ein verrufenes Armenviertel, später Symbolort Jüdischen Lebens in Berlin. Um 1700 zunächst mit Scheunen, Gärten und später mit Mietshäusern bebaut, entstand der Name im ausgehenden 19. Jahrhundert als Pejorativum für die Altstadtgassen um den heutigen Rosa-Luxemburg-Platz. Nachdem 1906 ein Flächenabriss die historische Struktur der ehemaligen Scheunengassen vollständig zerstörte, wurde der Name Scheunenviertel ab der Weimarer Republik auf benachbarte Teile der östlichen Spandauer Vorstadt übertragen. Dort lagen in den 1920er Jahren die am dichtesten besiedelten Straßen Berlins, sie waren zentraler Zufluchtsort für jüdische Vertriebene aus Osteuropa. Vielfach literarisch beschrieben und mehrfach zerstört und überbaut, gilt das Scheunenviertel heute als unscharf umrissener „Ort, der vor allem von der Imagination lebt“.

  1. Anne-Christin Saß: Scheunenviertel. In: Stiftung Jüdisches Museum (Hrsg.): Berlin Transit. Wallstein, Göttingen 2012, S. 44.