Schimmelpilz in Gebäuden

Schimmelpilz in Gebäuden entsteht dadurch, dass Schimmelsporen, die durch die Luft weitertransportiert werden und überall zu finden sind, innerhalb von Gebäuden Lebensbedingungen zum Wachsen vorfinden.

Schimmelpilze gehören zu den Klassen Zygomycetes (Jochpilze), Ascomycetes (Schlauchpilze) und Deuteromycetes (Fungi imperfecti) und definieren sich typischerweise über folgende Merkmale:

  • ein watteartiges Myzel,
  • Wachstum auf festen Nährmedien (Substrat),
  • Nährstoffe werden durch Zersetzung (abgestorbener) organischer Substanzen gewonnen,
  • die Vermehrung erfolgt überwiegend ungeschlechtlich, also über Sporen oder Konidien.

Schimmelbefall auf Wänden und Decken tritt immer dann auf, wenn eine erhöhte Umgebungsfeuchte vorliegt. Im Winter tritt an kalten Stellen von Aussenwänden und an die Aussenluft grenzenden Böden und Decken eine erhöhte Luftfeuchte auf. An den kältesten Stellen kann sich sogar Kondenswasser bilden. Betroffen sind typischerweise:

  • Tür- und Fensterlaibungen, da diese weniger gut nach aussen gedämmt sind als Raumflächen mit normaler Wandstärke.
  • Raumecken an Außenwänden: Hier gibt eine relativ kleine Innenwandfläche Wärme an eine vergrösserte Aussenfläche ab und kühlt dadurch ab.
  • Außenwandflächen hinter Vorhängen und Möbeln: Wenn Gegenstände oder dichte Vorhänge nah an der Aussenwand stehen, kann die erwärmte Innenraumluft nicht dorthin gelangen, um die Wandflächen zu erwärmen. Es muss dann für eine erhöhte Luftzirkulation gesorgt werden.
  • Wandbereiche über den Sockelleisten: An nicht beheizten Aussenwandflächen sinkt warme Innenraumluft herab und kühlt dadurch ab. Nahe der Sockelleisten ist die Luft am kältesten und die relative Luftfeuchte somit am größten.

Verschiedene Faktoren beeinflussen das Auftreten von Schimmel in Gebäuden:

  • In der Regel kann sich auf Oberflächen Schimmel bilden, wenn langfristig eine relative Luftfeuchte von über 70 % vorliegt.
  • Erhöhte Raumlufttemperaturen begünstigen das Schimmelwachstum.
  • Oberflächlicher Schimmel kann bei ausreichender Luftfeuchte auf fast jedem Untergrund entstehen. Wenn das Substrat geeignete Nährstoffe enthält, begünstigt dies das Wachstum der Myzel des Schimmelpilzes in die Tiefe, so etwa bei Papiertapeten. * Schimmelpilzspezies: verschiedene Schimmelpilzarten unterscheiden sich hinsichtlich der sie begünstigenden Feuchte- und Temperaturbereiche
  • Schimmelpilze bevorzugen meist neutrale pH-Werte im Substrat.
  • UV-Licht kann das Schimmelwachstum in gewissem Maße begrenzen.
  • Je nach Substrat können unterschiedlicher Spezies wachsen. Wenige Arten zersetzen sogar Kunststoffe wie Polyurethan und PVC (z. B. Paecilomyces sp.).

Auch flüchtige organische Stoffe, die meist aus Produkten der Bauchemie, Spanplattenmöbel und Bodenbelägen stammen, finden sich in den abgeschiedenen Kondensaten der Innenraumluft an den Außenwänden und können dort auch in Form von Schwarzstaub in Erscheinung treten.

  1. 1 2 Klaus Sedlbauer: Vorhersage von Schimmelpilzbildung auf und in Bauteilen. Dissertation, Universität Stuttgart, Fakultät Bauingenieur- und Vermessungswesen, 3. August 2001; ibp.fraunhofer.de (PDF).
  2. #9 Schimmel in der Wohnung - Wieso, Weshalb, Warum. creators.spotify.com – Podcast Bauen und Sanieren - Pfusch am Bau - oder doch richtig? 16. Dezember 2024, svgs-saarland.de
  3. Sedlbaur/Krus 2003