Schweizer Réduit
Das Schweizer Réduit (französisch réduit national, aus dem Französischen für «Verschlag» oder «Raum») ist ein System aus militärischen Verteidigungsanlagen in den Schweizer Alpen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es zum Inbegriff des Widerstands der Schweiz gegen das Deutsche Reich – zum einen wegen ihres Widerstandswillens, zum anderen aufgrund der militärischen Widerstandsfähigkeit der Schweizer Armee im Alpenraum.
Das Réduit war der wichtigste Teil des mit dem Operationsbefehl Nr. 13 (Réduitbefehl) vom 14. Mai 1941 abgeschlossenen neuen Verteidigungsdispositivs, das auf dem Prinzip der Abschreckung (Dissuasionsstrategie) beruhte. Die Staffelung der Verteidigung in der Tiefe mit den Grenztruppen, den vorgeschobenen mobilen Truppen im Mittelland und der stark befestigten Zentralraumstellung in den Alpen sollte zusammen mit der vorgesehenen Zerstörung der wichtigen Nord-Süd-Verbindungen und der Aussicht auf einen langwierigen, verlustreichen Kampf im schwer zugänglichen Gebirge eine abschreckende Wirkung auf den potentiellen Angreifer ausüben.
Der Plan sah jedoch nicht die Rettung der Schweizer Bevölkerung vor; nur ein kleiner Teil davon hätte im Réduit Versorgung und Unterkunft erhalten. Ebenso sah das Réduit nicht den Schutz der industriellen Zentren vor. Im Angesicht der Deportation der arbeitsfähigen Bevölkerung (wie in Frankreich) und der Massaker von SS und Wehrmacht an der Zivilbevölkerung (vor allem in Osteuropa) hätte Deutschland relativ schnell die Kapitulation der Schweizer Regierung erzwingen können. Das Réduit fusste damit auf zwei wesentlichen Annahmen: Dass die Achsenmächte keine Alternativen für die gut verteidigten Schweizer Alpenpässe besitzen, und dass sie die Bevölkerung schonend behandeln würden.
- ↑ Hans Senn: Der schweizerische Generalstab. Band 7. Anfänge einer Dissuasionsstrategie während des Zweiten Weltkrieges. Basel 1995.