Semantische Kongruenz
Semantische Kongruenz oder auch pragmatische Kongruenz bezeichnet, dass eine syntaktische Struktur auf Grundlage des Bedeutungszusammenhangs, also der Sinnhaftigkeit, verwendet wird, anstatt sich strikt an grammatische Regeln zu halten. Die vor allem in der Rhetorik verwendete Bezeichnung Constructio ad sensum steht für eine syntaktische Konstruktion, die formal gegen die Regeln der grammatischen Kongruenz verstößt, aber sinngemäß korrekt ist.
Bei der semantischen Kongruenz steht die Bedeutung von Wörtern in einem Satz in Einklang, auch wenn sie grammatisch nicht übereinstimmen. Im Gegensatz zur grammatischen Kongruenz sind beispielsweise zueinander gehörige Wörter nicht grammatisch kongruent, sondern richten sich nach dem Sinn bzw. der Bedeutung eines Ausdrucks.
Zum Auslöser der semantischen Kongruenz bei grammatischer Kongruenz schreiben Köpcke und Zubin:
Je mehr die Aktivierung eines syntaktisch steuernden Auslösers (Nomens) im Bearbeitungsgedächtnis des Sprechers abnimmt, desto eher kann eine pragmatische Projektion (also pragmatische Kongruenz) das vom syntaktischen Auslöser ausgehende Genusmerkmal (also grammatische Kongruenz) ausstechen.
Das heißt, dass die grammatische Übereinstimmung (z. B. das Genus eines Nomens) schwächer wird, wenn das entsprechende Nomen im Gedächtnis des Sprechers weniger präsent ist. In solchen Fällen kann die Bedeutung oder der Kontext des Satzes (pragmatische Kongruenz) die grammatische Regel überlagern, sodass die Konstruktion dem Sinn des Satzes angepasst wird, auch wenn sie grammatisch nicht korrekt ist.
In verschiedenen Sprachen kann sich die semantische Kongruenz unterschiedlich zeigen, etwa bei der Behandlung des Wortes „Mädchen“ im Deutschen, das grammatisch neutral, aber semantisch weiblich ist, oder bei Kollektiva im Englischen, die im Plural stehen, obwohl sie eine Gruppe im Singular meinen.