Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung ist ein konkretes, sexuell bestimmtes Verhalten, das unerwünscht ist und durch das sich eine Person unwohl und in ihrer Würde verletzt fühlt. Als sexuelle Belästigung gelten unter anderem sexualisierende Bemerkungen und Handlungen, die entwürdigend bzw. beschämend wirken, unerwünschte körperliche Annäherung, Annäherungen in Verbindung mit Versprechen von Belohnungen und/oder Androhung von Repressionen. Damit ist sie unter anderem ein Mittel zur Machtausübung, bei dem Machtgefälle bzw. Abhängigkeitsverhältnisse einseitig sexualisiert und damit aufrechterhalten werden.

Sexuelle Belästigung gehört zur „breiten Palette von Einzelphänomenen“, die unter dem „Oberbegriff“ des Sexismus zusammengefasst werden. In der Alltagssprache werden die Begriffe „sexuelle Belästigung“ und „Sexismus“ fälschlicherweise oftmals als gleichbedeutend (synonym) verwendet. Sie ist abzugrenzen von sexuellem Missbrauch sowie körperlicher Gewaltanwendung.

Sexuelle Belästigung ist in den meisten westlichen Ländern ein Straftatbestand. Außerdem gilt sie als Diskriminierung und ist damit unter anderem im Sinne des Arbeitsrechts rechtswidrig.

Als Opfer sexueller Belästigung betroffen sind Frauen (je nach Umfrage 28–58 %) wesentlich häufiger als Männer (ca. 10 %). Unabhängig vom Geschlecht des Opfers sind die Täter meist einzelne Männer, Gruppen von Männern, gemischtgeschlechtliche Gruppen und nur selten Frauen. In der öffentlichen Debatte lässt der Effekt der Täter-Opfer-Umkehr dagegen vielfach das Bild entstehen, dass Männer und Frauen gleichermaßen Opfer und Täter sind.

  1. Debattenthema sexuelle Belästigung – Was Frauen sagen, was Männer sagen. In: spiegel.de. 23. Oktober 2017, abgerufen am 20. November 2019.
  2. 1 2 3 4 Charlotte Diehl, Jonas Rees, Gerd Bohner: Die Sexismus-Debatte im Spiegel wissenschaftlicher Erkenntnisse. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Nr. 8/2014, 7. Februar 2014 (bpb.de [abgerufen am 21. Juni 2020]).
  3. Ina Kerner: Differenzen und Macht: Zur Anatomie von Rassismus und Sexismus. In: Politik der Geschlechterverhältnisse. Band 37. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-593-38595-2.
  4. Uta Klein: Militär und Geschlecht in Israel. Campus-Verlag, 2001, ISBN 978-3-593-36724-8, S. 179 ff.
  5. Daniela Rastetter: Sexualität und Herrschaft in Organisationen: Eine geschlechtervergleichende Analyse. Wiesbaden 1994.
  6. Helmut Willems, Dieter Ferring (Hrsg.): Macht und Missbrauch in Institutionen: Interdisziplinäre Perspektiven auf institutionelle Kontexte und Strategien der Prävention. Springer, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-04297-4.
  7. JoAnn Bren Guernsey: Sexual Harassment: A Question of Power. Minneapolis 1995.
  8. Rosemarie Skaine: Power and gender: issues in sexual dominance and harassment. Jefferson, NC 1996.
  9. Susan Halford, Pauline Leonard: Gender, power and organisations: An introduction. Basingstoke 2001.
  10. Ina Kerner: Differenzen und Macht: Zur Anatomie von Rassismus und Sexismus. Frankfurt a. M. 2009, S. 169.
  11. Hintergrundmeldung: Frauen vor Gewalt schützen – Sexuelle Belästigung. In: bmfsfj.de. 3. März 2020, abgerufen am 14. August 2020.