Somatoforme Störung
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| F45.0 | Somatisierungsstörung |
| F45.1 | Undifferenzierte Somatisierungsstörung |
| F45.2 | Hypochondrische Störung |
| F45.3 | Somatoforme autonome Funktionsstörung |
| F45.4 | Anhaltende somatoforme Schmerzstörung |
| F45.8 | Sonstige somatoforme Störungen |
| F45.9 | Somatoforme Störung, nicht näher bezeichnet |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Somatoforme Störungen sind körperliche Beschwerden, die sich nicht oder nicht hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen (im klassischen medizinischen Sinne des ICD-10). Kennzeichnend ist eine intensive Fixierung auf bestimmte körperliche (somatische) Symptome, die zu erheblichem Leid führen und die alltägliche Lebensführung beeinträchtigen (DSM-5). Typische Verhaltensweisen sind körperliches Schonverhalten, die Einnahme von Medikamenten und häufige Arztwechsel („doctor hopping“). Dadurch entstehen sehr hohe Kosten für das Gesundheitswesen, wobei jedoch oft keine Besserung der Beschwerden herbeigeführt werden kann.
Im Diagnosemanual DSM-5 wird die somatoforme Störung in die Kategorie "somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen" als "somatische Belastungsstörung" eingeordnet. Zu den Allgemeinsymptomen der somatischen Belastungsstörung gehören Müdigkeit, Erschöpfung, Schmerzen, Schwindel, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, sexuelle und neurologische Symptome. Somatoforme Symptome treten bei circa 80 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise auf, gehen in der Regel von selbst vorüber und werden kaum beachtet.
Somatoforme Störungen gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Patienten von Allgemeinärzten und Allgemeinkrankenhäusern. Die Prävalenzschätzungen der somatischen Belastungsstörung sind jedoch wegen der neuen Diagnosekriterien noch ungenau. Neuere Schätzungen zeigen eine Prävalenz von bis zu 13 %. Patienten mit somatoformen Störungen werden vom Hausarzt oft als schwierig wahrgenommen; die Betroffenen selbst wiederum sind oft von ihren Behandlern enttäuscht. Häufig wird die Erkrankung erst spät erkannt und es vergehen oft Jahre, bis der Patient zum Psychotherapeuten überwiesen wird oder bereit ist, sich mit einer anderen als einer rein körperlichen Verursachung auseinanderzusetzen.
Die Kosten für die Behandlung dieser Personengruppe liegen deutlich höher als die durchschnittlichen Pro-Kopf-Behandlungsausgaben.
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