Steinerne Bibel
Als Steinerne Bibel werden figürliche Dekorationen an der Außenseite einiger Kirchen der Romanik bezeichnet. Sie dürfte um 1100 von französischen Steinmetzen entwickelt worden sein. Ein Beispiel aus der Zeit um 1210 findet sich an der Ostapsis der Pfarrkirche Schöngrabern in Niederösterreich.
Diese spezifisch hoch- und spätromanische Kunstform entspricht in ihrem Zweck der Armenbibel aus der Zeit der Gotik. Sie stellt mit ihrem Detailreichtum und den oft skurrilen Figuren einen besonderen Kontrast zu den eher abweisenden Mauermassen der romanischen Baukunst und der mystischen Dunkelheit ihrer Innenräume dar.
Die plastischen Bildprogramme finden sich überwiegend an den Portalen und manchen Kapitellen, an Kragsteinköpfen mancher Süd- und Westfronten sowie vereinzelt an der östlichen Apsis, also der Außenmauer des Altarraums. Architektur und Plastik sind aufeinander bezogen, wenn sie entweder ornamental oder nach biblischen Themen- oder Zeitordnungen (insbesondere Altes Testament und Schöpfungsgeschichte) auftreten.