Stigmatisierung

Stigmatisierung bezeichnet in den Sozialwissenschaften die Zuschreibung einer abgewerteten sozialen Identität an Individuen oder Gruppen auf Grundlage zugeschriebener oder wirklich existierender diskreditierbarer Merkmale. Von einigen Soziologen und Sozialpsychologen wird Stigma als sichtbares oder unsichtbares Merkmal definiert, das die Zugehörigkeit zu einer Gruppe kennzeichnet, die aufgrund dieses Merkmals abgewertet wird. Stigmatisierung ist der Prozess der Unterscheidung und Ausgrenzung, der von hinsichtlich dieses Merkmals nicht stigmatisierten Personen ausgeht.

In Anlehnung an Erving Goffman ist Stigmatisierung ein Prozess, durch den Individuen bestimmte andere Individuen in eine bestimmte Kategorie von Positions­inhabern einordnen,

  • durch Zuschreibung von Merkmalen und Eigenschaften, die diskreditierbar sind;
  • durch Diskreditierung von Merkmalen und Eigenschaften, die diskreditierbar sind;
  • durch Diskreditierung bereits vorhandener, sichtbarer Merkmale und Eigenschaften.

Einer Stigmatisierung kann Diskriminierung folgen, es können jedoch auch nicht stigmatisierte Personen von Diskriminierung betroffen sein.

  1. Anna Freytag: Stigmatisierende Kommunikation. Eine theoretische Konzeptualisierung gruppenbezogener abwertender Kommunikation. Springer VS, Wiesbaden, 2024, S. 52.
  2. Anna Freytag: Stigmatisierende Kommunikation. Eine theoretische Konzeptualisierung gruppenbezogener abwertender Kommunikation. Springer VS, Wiesbaden, 2024, S. 53.
  3. Erving Goffman: Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Frankfurt 1974, S. 56 ff.
  4. Detlef Baum: Relative Deprivation und politische Partizipation. Sozialstrukturelle Bedingungen politischer Beteiligung. Peter Lang, Frankfurt am Main/Bern/Las Vegas 1978, ISBN 3-261-02514-X, S. 25.