Susan Neiman

Susan Neiman (hebräisch סוזן ניימן; * 27. März 1955 in Atlanta, Georgia) ist eine US-amerikanisch-deutsch-israelische Philosophin und seit dem Jahr 2000 Direktorin des Einstein Forums in Potsdam.

Neimans philosophisches Denken kreist wesentlich um die Frage, wie Menschen damit umgehen, dass die erfahrene Lebenswirklichkeit in vieler Hinsicht nicht so ist, wie sie den Hoffnungen und Erwartungen, den Gerechtigkeitsvorstellungen und Vernunftidealen nach sein sollte. Bereits als Jugendliche war Susan Neiman politisch engagiert, seinerzeit gegen das Vorgehen der USA im Vietnamkrieg, in der jüngeren Vergangenheit gegen den Irak-Krieg der Bush-Regierung und als Wahlkampfhelferin für Barack Obama. Ihre philosophisch unterlegte Forderung nach moralischer Klarheit zielt darauf ab, herkömmliche Moralbegriffe für linksliberales Denken und Handeln wieder fruchtbar zu machen, sie also nicht konservativer Vereinnahmung und Deutungshoheit zu überlassen.

  1. „Wer unverfroren von Moral, Ehre, Eigenverantwortung oder Helden spricht, wird als konservativ, wenn nicht rechts eingestuft. Wer herumnuschelt, wenn nach Idealen oder Fortschritt gefragt wird, steht heute eher links. […] Doch das Buch will nicht nur analysieren; die Leser werden auch aufgefordert, den Mut aufzubringen, Begriffe zu benutzen, die ihnen vorher peinlich erschienen. Denn ohne die Sprache der Moral sind wir nicht einmal in der Lage, die Welt zu beschreiben – geschweige denn, sie zu verändern.“ (Neiman, Moralische Klarheit, 2010, S. 10).