Synästhesie

Die Synästhesie (von altgriechisch συναισθάνεσθαι synaisthánesthai „mitempfinden, zugleich wahrnehmen“) bezeichnet hauptsächlich die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Modalitäten der Wahrnehmung. Sie kommt durch Verflechtung von Sinnesmodalitäten zustande. Dies betrifft die Verbindung Farbe und Temperatur (beispielsweise die Verbindung „warmes Grün“), Ton, Musik und Räumlichkeit. Im engeren Sinne ist Synästhesie die Wahrnehmung von Sinnesreizen durch miterregte Verarbeitungszentren eines Sinnesorgans im Gehirn, wenn ein anderes Organ gereizt wird.

Menschen, die Wahrnehmungen derart verknüpft erfahren, werden als Synästheten bezeichnet. Synästhetiker sind Menschen, die sich (u. a. wissenschaftlich) mit dem Phänomen befassen.

Synästhesie tritt familiär gehäuft auf: In einer Studie gaben 43 % der Befragten an, dass mindestens ein weiterer Synästhet unter den Verwandten ersten Grades sei.

Synästhesien sind individuell verschiedene Wahrnehmungen. Sie sind für sich alleine keine Symptome von Störungen, können aber krankheitsbedingt auftreten – zum Beispiel nach Erblinden – oder durch Drogen, z. B. Halluzinogene, induziert werden.

In der Rhetorik steht der Begriff für das Vermischen von Sinnesebenen.

  1. Susanne Will: Schmecken Sie das? (Ein Gespräch mit dem Psychiater Markus Zedler.). In: Die Zeit. Nr. 22, 23. Mai 2019, S. 37.
  2. K. J. Barnet: Familial patterns and the origins of individual differences in synaesthesia. In: Cognition. Band 106, Nr. 2, 2008, S. 871–893.
  3. J. Ward: Synaesthesia. In: Annual Review of Psychology. Band 64, 2013, S. 49–75, doi:10.1146/annurev-psych-113011-143840, PMID 22747246.
  4. C. Sinke, J. H. Halpern, M. Zedler, J. Neufeld, H. M. Emrich, T. Passie: Genuine and drug-induced synesthesia: a comparison. In: Conscious Cogn. Band 21, Nr. 3, September 2012, S. 1419–34, doi:10.1016/j.concog.2012.03.009, PMID 22521474.
  5. C. Hyung Keun Park, Seul A. Kim, Joon Sung Shin, Daewook Kim, Yong Min Ahn: Synesthesia occurring after the use of Japanese kiken drugs: A case report. In: Psychiatria Danubina. 30, 2, 2018, S. 223–226. PDF.